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13. Dezember 2018

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Künstliche Intelligenz braucht politische Leitlinien

Künstliche Intelligenz braucht politische Leitlinien© Bilderbox.com

Künstliche Intelligenz ist ein Zukunftsmarkt der kommenden Jahre. Technologien auf Basis dynamisch lernender Systeme werden den Alltag der Menschen künftig ähnlich grundsätzlich beeinflussen wie vor über 20 Jahren das Internet.

„Wir sind weit vorne in der Grundlagenforschung, nun muss die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit deutsche und europäische KI-Technologien es auch auf die Straße schaffen“, so Oliver Süme, Vorstandsvorsitzender von eco, der Verband der deutschen Internetwirtschaft.
„Deutschland darf diese Entwicklung nicht verschlafen und muss das Thema KI politisch unterstützen“, betont Süme. Dabei seien insbesondere zwei Prämissen von zentraler Bedeutung, so der Verband anlässlich der aktuell ersten Sitzung der neuen Enquetekommission Künstliche Intelligenz der deutschen Bundesregierung.
 
KI als Kernkompetenz der deutschen Wirtschaft
Es bedarf dringend eines Ansatzes, der zum einen den Einsatz innovativer KI-Technologien in deutschen Unternehmen fördert und zum anderen Wettbewerbsvorteile wie beispielsweise die hierzulande hohen Sicherheitsstandards für digitale Infrastrukturen sowie hohe ethische und datenschutzkonforme Standards für die Entwicklung von Algorithmen und den Einsatz neuer Technologien ausbaut.
„KI Made in Germany könnte ein Qualitätssiegel werden, wenn wir unsere Kompetenzen im Bereich der IT-Sicherheit weiter ausbauen und auf digitale Souveränität – sprich, in Deutschland gehostete KI Anwendungen setzen“, unterstreicht Süme. Dies gelinge aber nur wenn die Politik einen verlässlichen und angemessenen Rahmen für den Einsatz von KI biete. Dieser müsse auf innovationsfreundliche und marktgerechte Regulierungsmechanismen setzen und den Einsatz in verschiedenen Wirtschaftszweigen fördern.
Hinzu komme eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Rechenzentren und andere Betreiber digitaler Infrastrukturen in Deutschland. Diese seien das Rückgrat verlässlicher KI Anwendungen und müssen auch von der Politik endlich als solches anerkannt werden, so der Verband in der aktuellen Aussendung.
 
Akzeptanz von KI mit Transparenz und Bildung fördern
Ein transparenter Umgang mit dem Thema Künstliche Intelligenz kann das Vertrauen der Menschen in ein autonom arbeitendes und entscheidendes System stärken. „Wir müssen die Menschen mitnehmen“, fordert Süme, „das heißt die Vermittlung von Basiswissen zu Systemen und KI-Methoden muss Teil des allgemeinen öffentlichen Bildungsauftrags werden.“ Hier seien Anbieter und Betreiber von KI-Systemen gleichermaßen gefragt wie die Politik.
In diesem Rahmen müsse die Politik auch dem Schutz von Geschäftsgeheimnissen und personenbezogenen Daten Rechnung tragen und falls nötig neue Mechanismen für die Analyse und Bewertung der Arbeit Künstlicher Intelligenz entwickeln, so das eco-Papier. Schließlich müssen auch ethische Fragestellungen im Zusammenhang mit KI und Digitalisierung konstruktiv gesamtgesellschaftlich diskutiert und ausgehandelt werden.
„Künstliche Intelligenz wird sich dann durchsetzen, wenn Nutzer das Gefühl haben, dass sie sich auf die Technologie verlassen und ihre Funktionsweise nachvollziehen können“, erläutert Süme. Dies gelte auch im Zusammenhang mit Auswirkungen von KI auf Arbeitswelt und Ausbildung. Die Politik müsse hier rasch Berufsfeldanalysen durchführen, Berufsbeschreibungen modifizieren und entsprechende Anpassungen im Bereich Aus- und Weiterbildung anstoßen, so die weiteren Positionen des eco-Verbandes.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 01.10.2018