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02. Juli 2022

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Schnellere Bauverfahren mittels Digitalisierung

Schnellere Bauverfahren mittels Digitalisierung© Pexels.com/thiago matos

Gemeinsames Digitalisierungsprojekt BRISE-Vienna von TU Wien und Stadt Wien soll Bundeshauptstadt zum internationalen Vorreiter bei Vereinfachung von Bauverfahren machen.

(red/mich/cc) Bauverfahren sind mittlerweile so kompliziert, dass selbst Profis nur schwer einen Überblick über alle Gesetze, Vorschriften und Regeln bei baubehördlichen Einreichungen haben. Oftmals vergeht fast ein Jahr, bis so ein baubehördliches Verfahren abgeschlossen ist. Das soll sich nun ändern. Die Stadt Wien arbeitet gemeinsam mit der TU Wien, dem Planungsbüro office for digital engineering (ODE), der Ziviltechnikerkammer für Wien, Niederösterreich und Burgenland sowie der WH-Media daran, baubehördliche Abläufe zu digitalisieren und damit schneller und einfacher zu machen.

Im Projekt BRISE (Building Regulations Information for Submission Envolvement) werden computergestützte Datenanalysen, Prüfroutinen, künstliche Intelligenz und Augmented Reality eingesetzt und so entstand ein Paket an Werkzeugen, das sowohl beim Antragstellen als auch beim Antragprüfen wertvolle Assistenzleistung bieten kann. Aktuell beginnt nun die Testphase, in der Bauanträge erstmals probeweise mit dem digitalen System bearbeitet werden können.

Das digitale Gebäude
Wenn heute Gebäude am Computer geplant werden, wird dort viel mehr eingegeben als bloß die Geometrie der Wände. „Man spricht von Building Information Modeling, kurz BIM“, erklärt Christian Schranz vom Zentrum Digitaler Bauprozess der TU Wien. „Dabei werden alle relevanten Bauwerksdaten digital erfasst – vom Grundriss über den Zweck, den bestimmte Räume erfüllen sollen, bis zur Haustechnik oder der Position von Feuerlöschern.“ Für diese umfangreichen Datenmodelle des Gebäudes gibt es definierte, offene Standards und all diese digitalen Daten können auch zur Vereinfachung von Prüfverfahren genutzt werden.

Zum automatisierten Assistenten wird dabei Künstliche Intelligenz, die bestimmte Daten für die eigentliche Prüfung vorab aufbereitet. Verantwortlich für die Forschung und Entwicklung der künstlichen Intelligenz hier ist Allan Hanbury an der TU Wien. „Ist bekannt, welcher Raum welche Funktion hat, dann lässt sich etwa automatisch überprüfen, ob die Türen breit genug sind und gültigen Bauvorschriften entsprechen“, erklärt Harald Urban, vom BRISE-Team an der TU Wien. „Auch die Länge von Fluchtwegen lässt sich automatisch berechnen, auch für die zuständigen Behörden eine große Erleichterung.“

Ein Projekt mit Vorbildwirkung
Jede Bauvorschrift in Code zu packen, den der Computer verstehen kann, ist jedoch schwierig - die baubehördlichen Vorschriften sind über Jahrzehnte gewachsen. Daher musste künstliche Intelligenz angelernt werden, diese Vorschriften in überprüfbare Daten zu übersetzen. Oft sind aber nicht alle Vorschriften so formuliert, dass sie in eine computertaugliche Formel gepackt werden können. „Wenn etwa vorgeschrieben ist, dass in ausreichender Anzahl Feuerlöscher vorhanden sein müssen, dann kann der Computer natürlich nicht alleine beurteilen, was das bedeuten soll“, sagt Harald Urban.

Mit dem neuen Verfahren lässt sich nun viel Zeit sparen und große Vorteile liefert die digitalisierte Baueinreichung auch für Arichtekturbüros: Auf Knopfdruck kann schon vor der Einreichung eine automatische Vorprüfung durchgeführt und etwaige Fehler erkannt und korrigiert werden. Als FE-Projekt erhielt BRISE rund 4,8 Millionen Euro Fördermittel von der EU-Initiative „Urban Innovative Actions“. So konnte eine ganze Reihe von Komponenten entwickelt werden, die künftig bei Wiener Bauverfahren einfließen. „Ab sofort können Baueinreichungen probeweise mit den BRISE-Tools analysiert werden“, sagt Christian Schranz. „Wir freuen uns auf Feedback.“ 

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red/mich/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 29.04.2022