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24. Juni 2018

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Das unbekannte Leben im arktischen Meer

Das unbekannte Leben im arktischen Meer© piqs.de/cyrus

Die Wiener Biologin Renate Degen arbeitet daran, erstmalig ein genaues Bild der Biologie des Meeresbodens der Arktis zu erstellen. Mit Unterstützung des FWF führt sie dazu die Daten internationaler Forschungsgruppen in einem neuen Modell zusammen.

Die Arktis ist einer der faszinierendsten und am wenigsten erforschten Lebensräume der Erde. Ihre Größe und ihre Unwirtlichkeit erschweren jede Bemühung, das Ökosystem vollständig abzubilden. Die Arktis hat große Bedeutung für das Klima des Planeten und für den Wirtschaftszweig Fischerei, insbesondere seit sich durch das Abschmelzen des Eises der Lebensraum rasant ändert.
Eine Methode namens "Biological Trait Analysis" ist nun in der Lage, ein genaueres Bild der Lebewesen des arktischen Meeresbodens zu liefern. Dabei werden nicht nur Tierarten gesammelt und klassifiziert, sondern auch ihre Funktionen im Ökosystem abgebildet und das erlaubt einen tieferen Einblick in die Zusammenhänge dieses Lebensraums. Die Biologin Renate Degen von der Universität Wien arbeitet im Rahmen eines vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Hertha-Firnberg-Stipendiums daran, mit dieser Analyse-Methode erstmals ein detailliertes Bild des Ökosystems des arktischen Meeresgrunds zu erstellen.

Die verschiedenen Lebensräume der Organismen
"Die Methode kommt aus dem Süßwasser und aus der terrestrischen Ökologie. Im marinen Bereich ist das relativ neu, im polaren Gebiet ist es überhaupt etwas ganz Neues ", erklärt Renate Degen. Der Begriff "Trait" steht dabei für eine messbare Eigenschaft eines Organismus: "Es geht darum, was die Organismen mit ihrem Lebensraum machen, und wie sie mit anderen Organismen und der unbelebten Umwelt interagieren. Das betrifft, wie sich Tiere bewegen, ob sie im Sediment graben oder sich darauf fortbewegen, wie sie sich ernähren, ob sie räuberisch tätig sind oder aus dem Wasser filtrieren", so Degen. Diese Daten werden schließlich mit mathematischen Methoden analysiert.
Das ist in der Arktis deutlich schwieriger als an Land, wo diese Methode üblicherweise eingesetzt wird. "Die meisten Publikationen der terrestrischen Ökologie beschäftigen sich mit Grasländern. Man hat da Organismen, die nicht weglaufen können,“ erläutert Degen. Für arktische Gewässer gebe es mehrere Ansätze: "Eine Möglichkeit sind Schleppnetze, die über den Boden gezogen werden. Das funktioniert für Lebewesen, die an der Oberfläche des Sediments leben. Diejenigen unter der Oberfläche werden da leicht übersehen, man nimmt also zusätzlich Greifer, die ins Sediment hineingraben,“ schildert Degen. Das dritte Element sind Foto- und Videoaufnahmen. "Durch das Auswerten all dieser Datensätze bekommen wir ein umfassendes Bild des Ökosystems und nicht nur einen kleinen Ausschnitt,“ ergänzt die Forscherin.

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red, Economy Ausgabe Webartikel, 24.11.2017