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20. April 2024

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Fachkräftemangel bleibt große Belastung für Betriebe

Fachkräftemangel bleibt große Belastung für Betriebe© pexels/jara

Engagement neuer Mitarbeiter weiterhin zentrale Herausforderung der heimischen Wirtschaft. 82 Prozent der Unternehmen haben Probleme bei der Findung geeigneter Fachkräfte, so eine aktuelle Erhebung von EY.

(red/czaak) Österreichs Wirtschaft fehlt es bereits seit einigen Jahren branchenübergreifend an qualifiziertem Personal. Letztes Jahr erreichte der Fachkräftemangel mit 87 Prozent einen Höchststand. Und auch dieses Jahr haben 82 Prozent der befragten Unternehmen Schwierigkeiten bei der Findung neuer und ausreichend qualifizierter Mitarbeiter. Ein zentraler Faktor sind dabei auch die steigenden Rekrutierungskosten, wo aktuell jedes zweite heimische Unternehmen angibt, dass diese Kosten in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gestiegen sind.

Anteil heimischer Unternehmer besonders hoch
Dabei ist besonders der Anteil heimischer Unternehmer so hoch wie nie (47 Prozent). Im Jänner 2022 waren das noch 27 Prozent, im Jänner 2023 hatten dann bereits 42 Prozent große Schwierigkeiten bei der Rekrutierung. Das sind Ergebnisse der Studie „Beschäftigung und Fachkräftemangel in Österreich“ von der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, wo österreichweit rund 600 Verantwortliche von mittelständischen Unternehmen mit 30 bis 2.000 MitarbeiterInnen befragt wurden.

Nur rund jedem fünften Mittelständler (18 Prozent) fällt es eigenen Angaben zufolge derzeit leicht Fachpersonal zu finden. Damit hat sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr gleichzeitig auch etwas entspannt. 2023 hatten nur 13 Prozent „leicht“ Personal gefunden. Zwei Drittel (66) der österreichischen UnternehmerInnen sehen den Fachkräftemangel darüber hinaus auch als enormes Risiko für die Zukunft des Betriebs - und das noch vor hohen Rohstoffpreisen, möglicher Rezession und Inflation.

Die Auswirkungen in einzelnen Branchen
Branchenspezifisch haben besonders die Bereiche Gesundheit und Life Science mit Rekrutierungsschwierigkeiten zu kämpfen. 60 Prozent geben hier an, sehr schwer Personal zu finden, 29 Prozent finden eher schwer Fachkräfte. Stark betroffen ist auch der Tourismus (60 bzw. 27 Prozent), gefolgt von der Industrie (50 bzw. 31 Prozent). „Der anhaltende Fachkräftemangel stellt eine der größten Herausforderungen für den österreichischen Mittelstand dar. Trotz intensiver Bemühungen der Unternehmen, qualifiziertes Personal zu rekrutieren, wurde die Lücke sogar größer“, betont Erich Lehner, Managing Partner und Mittelstandsexperte bei EY Österreich.

Ein anderes Thema im Kontext neue Mitarbeiter ist die aktuelle Konjunktur. Nur mehr jeder fünfte Betrieb (21Prozent) in Österreich will künftig zusätzliche Beschäftigte einstellen. Parallel ist der Anteil derer, die Stellen streichen wollen, gegenüber Jänner 2023 spürbar von 15 auf 18 Prozent gestiegen. So hoch war der Prozentsatz seit 2009, dem Höhepunkt der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise, nicht mehr.

Der Faktor Fachkräftemangel und betriebliche Umsatzeinbußen
Umgekehrt planen lediglich drei Prozent der Betriebe zusätzliche Stellen zu schaffen. Eine ähnlich geringe Beschäftigungsdynamik wurde zuletzt 2013 verzeichnet (4 Prozent), selbst im Corona-Krisenjahr 2021 lag der Saldo mit neun Prozent noch höher als aktuell. Die meisten neuen Stellen wollen Unternehmen in Vorarlberg (30 Prozent), Wien (24) und Kärnten (21) schaffen. Am wenigsten neue Arbeitsplätze sind im Burgenland (10 Prozent) geplant, so EY in einer Aussendung.

In Österreich gestaltet sich der Fachkräftemangel auch wirtschaftlich herausfordernd. Knapp die Hälfte aller Unternehmen (45 Prozent) verzeichnet Umsatzeinbußen infolge der Personalnot – genauso viele wie vor einem Jahr. Allerdings ist der Anteil jener, die erhebliche Einbußen von mehr als fünf Prozent des Umsatzes beklagen, von 16 auf 19 Prozent gestiegen. Besonders ausgeprägt sind die wirtschaftlichen Folgen des Fachkräftemangels im Gesundheitsbereich (69 Prozent), im Tourismus (50) und in der Industrie (40 Prozent).

Die Situation in den Bundesländern
Runtergebrochen auf die Österreichischen Bundesländer zeigen sich regionale Unterschiede: Am ausgeprägtesten ist der Fachkräftemangel in Oberösterreich, wo 86 (!) Prozent große Probleme angeben, vor der Steiermark (83), Tirol (80) und Wien (79 Prozent). Am besten ist die Situation noch in Niederösterreich und im Burgenland, aber auch hier klagen mehr als 30 Prozent über große Schwierigkeiten bei der Fachkräfterekrutierung.

„Der Fachkräftemangel wird zum größten Risiko für Unternehmen und kann sogar als existenzbedrohend bezeichnet werden. Wir müssen jetzt gezielte Maßnahmen ergreifen, um die Ausbildung und Weiterbildung zu fördern, Anreize für Fachkräfte zu schaffen und vielleicht auch neue Wege in der Arbeitsmigration zu beschreiten“, unterstreicht Erich Lehner von EY Österreich. „Der Fachkräftemangel ist ein komplexes Problem, das eine vielschichtige und nachhaltige Strategie erfordert.“

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 23.01.2024