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20. April 2024

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Die aktuellen Trends bei E-Autos

Die aktuellen Trends bei E-Autos© pexels/lips

In der EU boomt Kauf und Nutzung von E-Autos. In Österreich verlangsamen sich die Neuzulassungen, der Absatz ist um fast vierzig Prozent niedriger als im August 2019, so eine aktuelle Erhebung von EY.

(red/czaak) Der Neuwagenmarktin der EU legte auch im August zu: Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen stieg laut Branchenverband ACEA gegenüber August 2022 um 19 Prozent. Nach wie vor gibt es allerdings eine große Lücke zum Vorkrisenniveau: Im Vergleich zu August 2019 ergibt sich ein EU-weites Minus von 17 Prozent.

In 22 der 27 EU-Mitgliedsländer lag der Absatz im vergangenen Monat unter dem Niveau von August 2019. In Österreich wurde im August ein Plus von 5,5 Prozent verzeichnet – damit hat sich das Wachstumstempo in Österreich im Vergleich zum bisherigen Jahresverlauf spürbar verlangsamt. Zudem lag der Neuwagenabsatz immerhin noch 37 Prozent niedriger als im Vergleichsmonat des Vorkrisenjahrs 2019.

Autobauer arbeiten Bestellungen aus dem Vorjahr ab
„Der Neuwagenmarkt wächst zwar noch – zum Teil auch dank staatlicher Förderprogramme –, aber die Dynamik lässt nach. Dass wir überhaupt noch Wachstum sehen, ist zum einen auf das außerordentlich niedrige Vorjahresniveau, zum anderen auf den immer noch recht hohen Auftragsbestand zurückzuführen“, betont Axel Preiss, Leiter Advanced Manufacturing & Mobility bei EY Österreich.

„Nach wie vor arbeiten die Autobauer Bestellungen aus dem Vorjahr ab, als der Teilemangel und eingeschränkte Produktionskapazitäten zu erheblichen Einbußen geführt hat. Inzwischen gehört der Chipmangel weitgehend der Vergangenheit an, die Lieferzeiten sinken weiter.“

Die Lücke zum Vorkrisenniveau wird kleiner
Preiss rechnet damit, dass die Erholung in den kommenden Monaten anhalten wird: „Wir werden das Vor-Corona-Niveau zwar nicht erreichen, zum Jahresende hin wird die Lücke zum Vorkrisenniveau aber kleiner werden. Dann werden allerdings auch die Aufträge aus der Zeit des Chipmangels abgearbeitet sein.“ Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage, der gesunkenen Kaufkraft und des hohen Zinsniveaus blickt Preiss eher pessimistisch auf das Jahr 2024.

„Die deutlich gestiegene Rohstoff- und Energiepreise und höhere Kosten in der Lieferkette haben für ein dauerhaft höheres Kostenniveau gesorgt. Dennoch beginnen die ersten Volumenhersteller bereits, mit Sonderfinanzierung und Aktionen den Absatz zu stabilisieren – und das sind nur die Vorboten für eine voraussichtlich breitere Rabattschlacht in den kommenden Monaten“, so die Einschätzung von EY-Experte Preiss.

Deutschland als Treiber bei nochmals verstärktem Wachstum
Im ersten Halbjahr legten die Neuzulassungen von Elektroautos EU-weit noch um 54 Prozent zu, im August lag das Plus hingegen bei 118 Prozent. Besonders dynamisch hat sich das Wachstum in Deutschland entwickelt, wo Vorzieheffekte zu einem Plus bei Elektroautos von 171 Prozent führte. In Österreich wurde ein Plus von 49 Prozent erreicht. EU-weit stieg der Elektro-Marktanteil im Vergleich zu August 2022 von 12 auf 21 Prozent und überwand damals erstmals die 20-Prozent-Marke, in Österreich von 15 auf 21 Prozent.

Mit Blick auf Deutschland rechnet Preiss in den kommenden Monaten mit einem starken Rückgang gewerblicher Elektro-Neuzulassungen, die im August für immerhin 75 Prozent aller Neuzulassungen von Elektroautos verantwortlich waren (Juli: 67 Prozent). Privatzulassungen von Elektroautos werden sich bis zum Jahresende noch positiv entwickeln. Dann werden aber auch die Subvention von Privatkäufen weiter reduziert. „Auf den aktuellen Boom wird daher auf dem deutschen Markt voraussichtlich spätestens im kommenden Jahr ein böses Erwachen folgen.“

Elektroautos in Skandinavien am populärsten, in Osteuropa niedrige Marktanteile
Innerhalb der EU bestehen hinsichtlich der Marktanteile von Elektroautos erhebliche Unterschiede: Die höchsten Marktanteile wurden im August in Schweden und Finnland mit 40 bzw. 36 Prozent registriert. Österreich liegt mit einem Marktanteil von 21 Prozent im oberen Mittelfeld. Die niedrigsten Marktanteile weisen nach wie vor die südost- und osteuropäischen Märkte auf. So betrug der BEV-Marktanteil in Kroatien zwei Prozent, in der Slowakei und in Tschechien jeweils drei Prozent.

Berücksichtigt man zusätzlich Plug-in-Hybride, wird der Unterschied noch deutlicher – dann reicht die Spanne von sechs Prozent (gemeinsamer Marktanteil BEV und PHEV) in Kroatien und Bulgarien bis 60 Prozent in Schweden und 59 in Finnland. „Die Unterschiede innerhalb der EU sind enorm“, sagt Preiss. „In Skandinavien sind elektrifizierte Neuwagen bereits in der Mehrheit, in Osteuropa sind Elektroautos hingegen nach wie vor ein absolutes Nischenprodukt.

Die ambitionierten EU-Pläne für die Elektromobilität, denen zufolge ab 2035 keine Verbrenner mehr neu zugelassen werden sollen, sind in Teilen Europas so weit von der heutigen Realität entfernt, dass man sich Sorgen um die Realisierung machen muss. Der hohe Preis von Elektroautos und das weitgehende Fehlen elektrischer Kleinwagen verhindert derzeit eine Mobilitätswende in Ländern mit niedrigeren Einkommen.“

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 14.11.2023