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20. April 2024

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Ambivalente Einschätzungen zu Künstlicher Intelligenz

Ambivalente Einschätzungen zu Künstlicher Intelligenz© pexels/pacel danilyuk

Zwei Drittel der heimischen Führungskräfte sehen kaum noch Umbrüche durch KI. 15 Prozent etablieren KI als strategisches Thema. Datenschutz und -Qualität als Herausforderung beim KI-Einsatz, so aktuelle Erhebung von Tietoevry, Microsoft und SAP.

(red/cc) Künstliche Intelligenz (KI) soll disruptive Veränderungen in Wirtschaft und Arbeitswelt bringen und zahlreiche Anwendungen bringen bereits erste Praxiserfahrungen. Beim Thema Nutzung zeigen sich Österreichs Führungskräfte einer aktuellen Erhebung zufolge aber noch zurückhaltend.

15 Prozent haben KI bereits als strategisches Managementthema etabliert, ein Fünftel hat schon KI-Anwendungen eingeführt. Bei rund der Hälfte gibt es noch rechtliche Bedenken, etwa in Bezug auf den Schutz von Firmendaten. Rund zwei Drittel (64 Prozent) sehen derzeit durch KI-Entwicklungen nur geringe oder gar keine Änderungen ihres Geschäftsmodells.

Österreichische Unternehmen stehen erst am Beginn der KI-Reise
Zu diesen Ergebnissen kommt die neue KI-Umfrage des IT-Dienstleisters Tietoevry gemeinsam mit den Partnern Microsoft Österreich und SAP Österreich. Für die Umfrage hat der Marktforscher TQS Research & Consulting Angaben zufolge 100 heimische Entscheider in Unternehmen mit mehr als 250 bzw. mehr als 500 Mitarbeitenden befragt.

„Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass der Großteil der österreichischen Unternehmen erst am Beginn der KI-Reise steht“, so Robert Kaup, Managing Director von Tietoevry Austria. „Die große Lücke in der strategischen Führung in Bezug auf KI spiegelt sich auch in einem geringen Implementierungsgrad von KI-Tools wider. Vielerorts herrscht noch Unklarheit über konkrete Mehrwerte von KI und auch der Einfluss auf Geschäftsmodelle wird überwiegend nicht gesehen“, ergänzt Kaup.

Datenschutz und fehlendes Fachwissen als größte Hürden
Bei der Einführung von KI-Anwendungen sehen Österreichs Entscheider aktuell noch verschiedene Hemmnisse: Die Mehrheit äußerte rechtliche Bedenken, etwa hinsichtlich des Datenschutzes (48 Prozent) oder rund um Fragen der Datensicherheit (27). Für jeden fünften Befragten mangelt es an technischem Fachwissen im Unternehmen (22) und an Datenverfügbarkeit und -qualität (19 Prozent) für den Einsatz von KI-Lösungen.

Tatsächlich sind Datenschutzbedenken im Kontext der eingesetzten KI-Tools relevant, denn in den heimischen Unternehmen dominieren aktuell vor allem öffentlich zugängliche Anwendungen. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) nutzt im Berufsalltag regelmäßig den KI-Chatbot ChatGPT, gefolgt von der Übersetzungsanwendung DeepL Translate (16 Prozent). Andere Lösungen spielen erst eine untergeordnete Rolle.

Eigene Business-KI-Lösungen zum Schutz der Firmendaten
Durch die weitverbreitete Nutzung von öffentlich zugänglichen KI-Tools wie ChatGPT steigt zwar das Verständnis für KI, allerdings ergeben sich auch Sicherheitsrisiken, wenn Unternehmensinformationen eingegeben werden. „Das führt zu einem hohen Bedarf an sicheren Business-KI-Lösungen zum Schutz sensibler Firmen- und Kundendaten. Nur wenn Daten im eigenen Autoritätsbereich des Unternehmens verbleiben, können die KI-Potenziale voll ausgeschöpft werden“, betont Kaup.

Die Umfrageergebnisse zeigen zudem, wohin der Trend in den nächsten Monaten und Jahren gehen wird. Rund ein Viertel der Unternehmen (24 Prozent) plant, in den nächsten drei bis zwölf Monaten erste KI-Projekte umzusetzen. Mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte (57) hat jedoch noch keine Pläne, ein KI-Projekt zu initiieren. „Sie drohen, große Potenziale – etwa in der Effizienzsteigerung, der Automatisierung von Prozessen oder der Verbesserung des Kundenservice – zu verpassen“, so das Resümee des IT-Dienstleisters Tietoevry.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 04.12.2023