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29. October 2020

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Weitere Verbesserung der Geschäftslage

Weitere Verbesserung der Geschäftslage© Pexels.com/Burst

Die deutsche Wirtschaft ist weiter auf Erholungskurs. Der aktuelle Geschäftsklimaindex des deutschen ifo-Instituts ist erneut gestiegen. Parallel sinkt Kurzarbeit und auch der Auftragsstand in der wichtigen Autobranche nimmt zu.

(red/mich) Die Stimmung unter den Unternehmenslenkern ist weiter im Aufwind. Der aktuell Geschäftsklimaindex des renommierten Münchner ifo-Instituts ist auch im August gestiegen. Die Unternehmen beurteilten die aktuelle Lage im Vergleich zum Vormonat merklich besser und auch ihre Erwartungen fallen optimistischer aus. Die deutsche Wirtschaft ist auf Erholungskurs, so das klare Resümee der ifo-Experten.

Dienstleistung und Gewerbe nun auch deutlich positiv
Runtergebrochen auf einzelne Segmente hat sich das Geschäftsklima besonders im Verarbeitenden Gewerbe erheblich verbessert. Der Ausblick auf die kommenden Monate fiel hier erneut optimistischer aus und auch die Auftragsbücher füllen sich wieder. Ebenso stark gestiegen ist der Geschäftsklimaindex im Dienstleistungssektor, wo die Unternehmen deutlich zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage sind. Und auch hier hat sich der Ausblick auf die kommenden Monate weiter verbessert.

Verhaltene Zufriedenheit bei Handel und Baubranche
Vergleichsweise abgeflacht hat sich die Aufwärtsbewegung des Geschäftsklimas im Handel. Handelsbetriebe sind zwar etwas zufriedener mit ihrer aktuellen Lage, die Erwartungen bleiben jedoch verhalten bis pessimistisch. Rückläufig war das Geschäftsklima im Großhandel. Im Bauhauptgewerbe befindet sich das Geschäftsklima weiter im Aufwind. Die Baufirmen waren erneut mit ihrer aktuellen Lage zufriedener. Ihre Erwartungen sind jedoch weiterhin verhalten bis pessimistisch, wenn auch nicht mehr so stark wie zuletzt.

Kurzarbeit sinkt weiter
Die Zahl der Firmen mit Kurzarbeit sinkt weiter. Im August waren es noch 37 Prozent der Unternehmen, im Juli noch 42 Prozent und damit rund 15 Prozent mehr. „Die Kurzarbeit ist über fast alle Branchen rückläufig, auch wenn es insgesamt immer noch viele sind“, so Sebastian Link, ifo-Arbeitsmarktexperte. Aktueller Spitzenreiter ist (und blieb) die Industrie mit 53 Prozent der Firmen, nach 57 Prozent im Juli. Bei den Dienstleistern sind noch 33 Prozent in Kurzarbeit, nach 39 Prozent im Juli. Im Handel 26 Prozent, nach 31 Prozent im Juli. Vergleichsweise wenig betroffen war das Bauhauptgewerbe mit 7 Prozent, nach 11 Prozent im Juli.
Große Unterschiede zwischen einzelnen Branchensegmenten
 
In den aggregierten Zahlen der großen Wirtschaftszweige verbergen sich allerdings Unterschiede. Das zeigt sich besonders deutlich an den Dienstleistern. Obwohl der Durchschnittswert nur 33 Prozent betrug, waren im August 88 Prozent der Reisebüros und -veranstalter in Kurzarbeit, 71 Prozent der Hotels, 69 Prozent der kreativen und künstlerisch tätigen Betriebe, 52 Prozent der Gastronomieunternehmen und 40 Prozent der Verlage. Umgekehrt besonders wenig Kurzarbeit gab es im August im Grundstücks- und Wohnungswesen mit knapp über vier Prozent sowie bei Informationsdienstleistern mit knapp drei Prozent.

Konträre Entwicklung in Industrie
Vergleichbar gemischt sieht es in der Industrie aus, wo der Durchschnittswert 53 Prozent beträgt. Bei den Metallerzeugern etwa waren aber im August noch 80 Prozent in Kurzarbeit, bei den Herstellern von Bekleidung 67 Prozent. In der Autobranche betrug der Anteil 65 Prozent, in der Chemie hingegen nur 34 Prozent. Bei den Herstellern von Nahrungsmitteln sind es hingegen wiederum nur 14 Prozent und bei der Pharmazie gar nur 4 Prozent.

Bessere Geschäftslage in der Autoindustrie
Die Stimmung unter den deutschen Autoherstellern und Zulieferern hat sich im August ebenso verbessert, so ein weiteres wichtiges Ergebnis der neuesten Konjunkturumfrage des deutschen ifo Instituts. Von minus 68 Punkten im Juli stieg die Beurteilung der Geschäftslage auf minus 35 Punkte im August. Damit sehen die Hälfte der Unternehmen wieder „Licht im dunklen Keller“, umschreibt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen, die Situation.

Nachfrage auf hohem Niveau
Verbessert hat sich auch der Auftragsbestand. Hier stieg der Indikator auf plus 38 Punkte, nach plus 26 im Juli. Auch die Nachfrage selbst bleibt weiter auf hohem Niveau. „Hier spielen Nachholeffekte und die Mehrwertsteuersenkung sicherlich eine Rolle“, so ifo-Experte Wohlrabe. Bedient wurde die Nachfrage vor allem aus den Lagerbeständen - diese konnten merklich abgebaut werden.

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red/mich, Economy Ausgabe Webartikel, 07.09.2020