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19. April 2021

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Regional in Österreich versus US-Onlinehändlerstütze

Regional in Österreich versus US-Onlinehändlerstütze© Nadine Studeny_WKOe

Neue Plattform „Kaufhaus Österreich“ mit über 5.000 österreichischen Webshops. Handelsverband begrüßt bei ähnlichen Initiativen heimische Wertschöpfung wie Arbeitsplatzsicherung und fordert abermals Ende des „Steuerwahnsinns bei Amazon & Co.“

(red/czaak) Neun Monate nach Ausbruch der Corona-Krise ist die eCommerce-Plattform "Kaufhaus Österreich" des Wirtschaftsministeriums und der Wirtschaftskammer gestartet. Das Projekt und die begleitende Kampagne soll heimischen Händlern mehr Sichtbarkeit im Netz geben und damit den Kaufkraftabfluss ins Ausland reduzieren. Auch zahlreiche andere Plattformen sind (Anm. schon länger) online – etwa die Onlineshop-Fibel der Wochenzeitung Falter, die Suchmaschine anna-kauft oder die Ladenliste der Aktivistin Nunu Kaller.

Kaufsregional.at als Österreichs Verzeichnis für den regionalen Einkauf
Um die österreichischen Händler noch gezielter zu unterstützen und den Einkauf bei heimischen Onlinehändlern noch einfacher zu machen, bietet auch der Österreichische Handelsverband bereits seit dem Frühjahr gemeinsam mit zahlreichen Partnern ein Verzeichnis für heimische Webshops an: Im digitalen Kaufhaus „kaufsregional.at (siehe Link) sind mittlerweile mehr als 5.000 österreichische Webshops in 15 unterschiedlichen Kategorien gelistet.

Die Plattform bietet einerseits den heimischen Händlern eine breite Servicepalette, andererseits den Konsumenten eines der größten Verzeichnisse des Landes für den regionalen Einkauf. Im Unterschied zum "Kaufhaus Österreich", das auf eine Kategorien-Suchfunktion setzt, ermöglicht die Plattform des Handelsverbandes technologisch auch gezielte Produktsuchen zur Abbildung der Lebensrealitäten der Konsumenten.

Corona-Krise verschärft Versäumnisse bei Steuerfairness
„Egal ob kleiner Webshop, Boutique, Concept Store oder filialisierter Einzelhandel – der Handelsverband lädt alle Händler ein, Teil dieser nationalen Community zu sein“, so der Verband in einer Aussendung. Aktuell darf nun auch das Gütezeichen "Österreichischer Händler" von allen Händlern mit Betriebstätte in Österreich kostenfrei genutzt werden, damit diese bei den Konsumenten im Onlinehandel als vertrauensvoller Partner wahrgenommen werden.

Die Corona-Krise ist für viele heimische Händler existenzgefährdend. 6.500 Geschäfte sollen laut Handelsverband bereits kurz vor dem Aus stehen, ihnen fehlt es an Liquidität und einer wirtschaftlichen Perspektive. „Drittstaatenhändler wie der weltgrößte Onlinehändler Amazon dürfen sich indes über Rekordgewinne freuen, die jedoch gegen "null" optimiert werden, damit keine Steuerleistungen anfallen“, so der Handelsverband. „Das gesetzliche Regelwerk lässt dies zu, daher müssen es Unternehmen geradezu nutzen. Der Firmenwert von Amazon hat sich seit Beginn der COVID-Krise fast verdoppelt“, so der Verband.

300 Millionen Steuergutschrift für Amazon
„2019 haben die europäischen Finanzminister an Amazon unfassbare 300 Millionen überwiesen – bei einem Umsatz von 32 Milliarden Euro im europäischen Handelsgeschäft. Jedes Kleingewerbe zahlt bei uns mehr Steuern als das wertvollste Unternehmen unseres Planeten", betont Rainer Will vom Handelsverband. "Wir befinden uns in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg. Wenn wir diese Herausforderung meistern wollen, müssen wir die Steuerschlupflöcher für multinationale Digitalkonzerne aus Drittstaaten endlich stopfen“, fordert der Handelsexperte.

Und:„Es braucht jetzt mehr denn je faire Rahmenbedingungen, an die sich alle halten müssen. Der Steuerwahnsinn von Amazon & Co muss abgestellt werden, jahrelange Ankündigungen müssen ein Ende haben“, so Will. „Der Fokus der Politik muss darauf liegen Regulierungen zu finden, die im digitalen Raum Chancengleichheit zwischen Händern aus Drittstaaten und Händlern mit Betriebsstätte in Österreich sicherstellen.“

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 04.12.2020