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28. September 2020

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Regierungsmaßnahmen überwiegend hilfreich

Regierungsmaßnahmen überwiegend hilfreich© Pexels.com/Luca Nardone

64 Prozent der Kleinunternehmen beurteilen wirtschaftliche Regierungsmaßnahmen als hilfreich oder prinzipiell gut. Branchenverbände interpretieren Umfrageergebnis trotzdem mit „Betriebe verzweifelt“ und sehen zudem „fast konträre Bewertung als Regierung und Wirtschaftskammer“.

(Christian Czaak) Österreichische Hoteliervereinigung, Handelsverband, Gewerbeverein, Senat der Wirtschaft und Forum EPU haben ihre Mitglieder nach den wirtschaftlichen Auswirkungen von Corona befragt und dabei auch um eine Beurteilung der Maßnahmenpakete der Bundesregierung gebeten. 643 Unternehmen nahmen an der Ende Mai durchgeführten Befragung teil, davon 45 Prozent EinPersonenUnternehmen (EPU) und der Rest Kleinbetriebe bis maximal 50 Mitarbeiter.

Im Ergebnis beurteilten 64 Prozent der befragten Unternehmen die Maßnahmen der Bundesregierung als hilfreich oder prinzipiell gut. Die exakte Bandbreite geht dabei von „sie helfen, wenn bald das Geld kommt“ (26 Prozent) über „sie helfen etwas“ (26) oder „sie helfen sehr“ (4) bis hin zu „prinzipiell gut, passen aber nicht für meine Branche“ (8 Prozent). 33 Prozent der befragten Unternehmen meinen die Maßnahmen „helfen nicht“ und drei Prozent benötigen „keine Hilfe“.

Verbände drehen Interpretation ins Negative
Die angeführten Beurteilungen und Zahlen sind allesamt aus Presseaussendung und beigefügtem Umfrageergebnis der angeführten Branchenverbände entnommen und entsprechend 1:1 wiedergegeben. Ein Umfrageergebnis aus der Aussendung lautet auch: „Branchenübergreifend kritisiert ein Drittel (sic) der Unternehmen die Maßnahmen pauschal als nicht hilfreich.“ Damit wird umgekehrt nochmals die Bewertung „hilfreich“ von den restlichen zwei Drittel bestätigt.

In der gleichen Presseaussendung wird das Ergebnis dann trotzdem mit „Betriebe verzweifelt“ interpretiert: „67 Prozent aller befragten Unternehmen verzweifeln an den Maßnahmen der Regierung, die weit an der Praxis vorbeigehen“, so die Anführung der Verbände. Zahlenmäßig können die „verzweifelten“ 67 Prozent nur die 33 Prozent „Helfen nicht“ plus die 8 „prinzipiell gut, aber für mich unpassend“ plus die 26 Prozent von „Helfen etwas“ oder „Helfen, wenn Geld kommt“ beinhalten. In der übermittelten Umfrage selbst sind keine Fragen bzw. Beurteilungen der Maßnahmen angeführt.

Reaktionen und Maßnahmen auf Umsatzeinbrüche
Auf die corona-bedingten Umsatzeinbrüche reagieren die Betriebe Angaben zufolge mit einem reduzierten betrieblichen Aufwand (73 Prozent), mit Zahlungsaufschüben (55), mit Steuerstundungen (55) und mit der Beantragung von Eigenkapital-Zuschüssen (53 Prozent). Was die Dimension der Umsatz- und Investitionsrückgänge angeht, fallen die Reaktionen bzw. Maßnahmen je nach Branche unterschiedlich aus.
 
Der auf die Maßnahmen zur Bekämpfung von Corona zurückzuführende bisherige Umsatzrückgang wurde im Mittel mit 498.000 Euro beziffert. Das sei ein Rückgang um 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2020 wird ein Umsatzrückgang von rund 44 Prozent erwartet.

Ursprünglich geplante Investitionen, die nun verschoben oder gestrichen werden, beziffern die Unternehmen laut Verbandsangaben mit durchschnittlich 354.000 Euro oder 77 Prozent des ursprünglich geplanten Investitionsvolumens. „Besonders alarmierend ist, dass 2021 der Investitionsrückgang mit 467.000 Euro oder 64 Prozent noch schlimmer ausfällt“, so Stephan Blahut, Generalsekretär des Gewerbevereins. Dieses „alarmierend“ muss sich rein auf die Eurobeträge beziehen, da 64 Prozent eigentlich weniger als 77 Prozent sind.

(Anm. der Redaktion: siehe dazu auch Text: „Branchenübergreifende Ergebniseinbrüche“)

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 15.06.2020