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09. Dezember 2019

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Österreichs Mittelstand setzt Digitalisierung um

Österreichs Mittelstand setzt Digitalisierung um© Bilderbox.com

Große Betriebe Vorreiter bei digitaler Innovation. Klassischer KMU Bereich hinkt weiter nach. Dienstleister, Gesundheit und Tourismus führend. Fachkräftemangel und Budget als Hemmschuh. Wien bleibt Digitalzentrum, Niederösterreich am letzten Platz, so eine aktuelle Studie von EY.

(red/czaak) Die Digitalisierung ist im österreichischen Mittelstand angekommen und die Tendenz nimmt weiter zu. Bei drei von vier mittelständischen Unternehmen in Österreich (rund 75 Prozent) spielen digitale Technologien für das eigene Geschäftsmodell mittlerweile eine große Rolle. Im Vorjahr waren es vergleichsweise nur 56 Prozent. Nur sechs Prozent der mittelständischen Betriebe schreiben der Digitalisierung keine Bedeutung zu. 2018 waren es noch 20 Prozent.

Digitale Zweiklassengesellschaft
Auch wenn der österreichische Mittelstand zunehmend auf Digitalisierung setzt, befindet sich die Wirtschaft weiterhin auf einer Art digitaler Scheideweg: Mehr als jedes zweite Unternehmen mit Jahresumsätzen von mehr als 100 Millionen Euro schreibt digitalen Technologien eine sehr große Bedeutung zu, mehr als ein Drittel eine mittelgroße Rolle.

Bei kleinen Unternehmen (Jahresumsatz unter 30 Millionen Euro) zeichnet sich ein gegenteiliger Trend ab. Hier spielt Digitalisierung nur für jede fünfte Firma (22 Prozent) eine große Rolle.
Entsprechend sehen Großunternehmen digitale Technologien als Chance (88 Prozent) und kleinere Unternehmen sind skeptischer (73 Prozent). Das sind die Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die 900 mittelständische Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern in Österreich befragt wurden.

„Die Digitalisierung nimmt im österreichischen Mittelstand mittlerweile einen Fixplatz ein und steht auch auf der Agenda ganz oben. Die digitale Zweiklassengesellschaft driftet trotzdem weiter auseinander, obwohl Digitalisierung keine Frage der Unternehmensgröße sein darf“, so Gunther Reimoser, Country Managing Partner bei EY Österreich. „Auch für kleine Unternehmen gilt es, Chancen der Digitalisierung zu ergreifen, bevor die großen Konkurrenten uneinholbar davonziehen“, betont Reimoser, der auch auf die Möglichkeit von Partnerschaften verweist, etwa Unterstützung mittels einer Kooperation mit einem Digital-Start-Up.

Fachkräftemangel und fehlende Finanzmittel als Hemmschuh
Ein kontinuierliches Problem bleibt der Fachkräftemangel. Dieser verursacht nicht nur Umsatzeinbußen, sondern bremst auch die Digitalisierung. Jedes zehnte Mittelstandsunternehmen (12 Prozent ggü. 9 im Vorjahr) klagt über fehlende Fachkräfte. „Bei der Rekrutierung von Fachkräften tun sich kleine Unternehmen sichtlich schwerer. Ohne geeignetes Personal können viele Unternehmen nicht so stark in Zukunftstechnologien investieren, wie sie gerne würden“, so Reimoser.

Für zwölf Prozent sind auch begrenzte finanzielle Möglichkeiten ein Problem, um die digitalen Technologien in das Geschäftsmodell zu integrieren (2018: 8 Prozent). Weitere sieben Prozent der Mittelständler haben nach eigener Einschätzung nicht das nötige Know-how für die Digitalisierung.

Wien bleibt digitaler Hotspot, Niederösterreich rutscht ab
Im Bundesländer-Ranking liegen Unternehmen mit Sitz in Wien auch 2019 wieder vorne. 81 Prozent der Unternehmen in der Hauptstadt geben an, dass die Digitalisierung bereits jetzt von großer Wichtigkeit für das eigene Geschäftsmodell ist. Entsprechend sind Wiener Betriebe auch am optimistischsten gegenüber Zukunftstechnologien. 83 Prozent der Mittelständler in der Bundeshauptstadt sehen die Digitalisierung der Wirtschaft als Chance für ihr Unternehmen.

Den zweiten Rang als digitaler Vorreiter sichert sich die Steiermark mit 79 Prozent, dicht gefolgt von Vorarlberg mit 78 Prozent. Schlusslicht ist Niederösterreich – in nur 66 Prozent der Unternehmen wird Digitalisierung eine große Rolle zugeschrieben. Demnach belegt das flächenmäßig größte Bundesland auch den letzten Platz im Optimismus-Ranking - nur 68 Prozent sehen die digitalen Entwicklungen als Chance.

(Finanz-)Dienstleister und Tourismusbranche digitale Vorreiter
Die Zufriedenheit der mittelständischen Unternehmen mit der bundesweiten Standortpolitik hat sich gegenüber dem Jahresbeginn 2017 mehr als verdreifacht – von 15 auf 51 Prozent. Mehr als jeder zweite Mittelständler (56 Prozent) bewertet die Standortbedingungen auch für Digitalisierungsmaßnahmen als positiv, zehn Prozent empfinden sie sogar als sehr positiv und das betrifft vor allem auch die Leistungsfähigkeit der digitalen Infrastruktur.

Bei den Branchen setzten vor allem die heimischen (Finanz-)Dienstleister bereits stark auf Digitalisierung. Bei 43 Prozent spielen digitale Technologien eine sehr große Rolle – 2018 waren es noch 28 Prozent. Jedes zweite mittelständische Dienstleistungsunternehmen (58 Prozent) ist mit den Standortbedingungen für digitale Technologien zufrieden.

Auch im Tourismussektor kommen digitale Anwendungen bereits verstärkt zum Einsatz, für jedes dritte Tourismusunternehmen sind sie von großer Relevanz. Allerdings sind die Standortbedingungen für 55 Prozent nicht zufriedenstellend. Am negativsten wird die regionale Standortpolitik von der Unternehmenssparte Transport und Verkehr bewertet. Hier sehen nur 44 Prozent geeignete Rahmenbedingungen für digitale Entwicklungen.

Besonders große Chancen durch die Digitalisierung sehen die Branchen Life Sciences/Health Care sowie (Finanz-)Dienstleister (83 bzw. 81 Prozent). Die Sparten Real Estate sowie Handel und Konsumgüter sind gegenteiliger Meinung – 16 bzw. zehn Prozent sehen den digitalen Wandel als Bedrohung.

Primärer Einsatz für Kundenbeziehung
Für viele Unternehmen sind digitale Technologien ein fixer Bestandteil und fest im Produktionsprozess verankert. Speziell die Kundenbeziehungen werden immer stärker digital organisiert. 87 Prozent der heimischen Mittelständler nutzen digitale Technologien dafür – deutlich mehr als noch vor einem Jahr (76 Prozent). Während im Vorjahr 62 Prozent mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets einsetzten, greifen heuer bereits neun von zehn mittelständischen Unternehmen (91 Prozent) darauf zurück.

Einen Rückgang gibt es hingegen bei der stärker automatisierten Produktion (Industrie 4.0), die 25 Prozent und damit deutlich weniger als Anfang 2018 (35 Prozent) nutzen. Allerdings bietet heuer bereits jedes vierte Unternehmen (25 aktuell versus 15 Prozent 2018) eigene digitale Produkte an, so weitere Einschätzungen der EY-Experten.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 30.04.2019