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29. October 2020

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Dringende Forderung und Kritik

Dringende Forderung und Kritik© Pexels.com/Lisa Fotios

Der WWF Österreich fordert umweltfreundliches Pfandsystem mit Mehrwegquoten und kritisiert Blockadehaltung der Wirtschaftsverbände. Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft braucht konkrete Beschlüsse, so die Umweltschutzorganisation.

(red/czaak) Anlässlich der aktuellen politischen Debatte fordert der World Wildlife Found (WWF) Österreich die Einführung eines umweltfreundlichen Pfandsystems und die Verankerung von verpflichtenden Mehrweg-Zielen. Parallel kritisiert die Umweltschutzorganisation die langjährige Pfand-Blockade der Wirtschaftsverbände als völlig unangebracht. 

„In Österreich fallen jedes Jahr fast eine Million Tonnen Plastikmüll an, aber nur ein Viertel davon wird recycelt. Der Rest landet in der Müllverbrennung oder in der Umwelt. Das ist nicht nur eine sinnlose Verschwendung von Ressourcen und Energie, sondern auch eine massive Belastung für das Klima und die Natur“, sagt WWF-Expertin Elisa Gramlich. 

Endlich wirksame Maßnahmen gegen die Plastikflut
„Gerade angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise müssen wir unsere Konsum- und Produktionsmuster völlig neu denken, um langfristig klima- und naturverträglich zu wirtschaften. Genau hier sollten die Wirtschaftsverbände aktiv mitarbeiten anstatt neue Wege zu verzögern“, kritisiert Gramlich. „Der Weg in die Kreislaufwirtschaft ist kein Selbstläufer, sondern erfordert konkrete Beschlüsse und Maßnahmen.“

Laut einer wissenschaftlichen Studie der Bundesregierung ist insbesondere ein Pfand auf Einweg-Plastikflaschen und Dosen das beste und kostengünstigste Rezept, um die Sammel- und Recyclingquoten zu erhöhen und das achtlose Wegwerfen einzudämmen. Umfragen zeigen zudem, dass die Bevölkerung mehrheitlich für Pfandsysteme ist und wirksame Maßnahmen gegen die Plastikflut fordert.

Koppelung von Pfandsystem mit Ausbau von Mehrweg-Angeboten
Um insgesamt Ressourcen zu sparen, muss ein Pfandsystem auch mit dem Ausbau von Mehrweg-Angeboten gekoppelt werden. Denn mittlerweile sei der Mehrweganteil auf beschämend niedrige 19 Prozent gesunken. Im Jahr 1995 waren es noch 80 Prozent. „Viele europäische Länder haben bereits ein Pfandsystem oder wollen in den nächsten Jahren eines einführen. Österreich sollte hier endlich aufschließen“, so eine weitere Forderung von Elisa Gramlich vom WWF Österreich.

Derzeit werden in Österreich pro Jahr rund 1,6 Milliarden Kunststoff-Flaschen in Verkehr gesetzt. Aktuell beträgt die Sammelquote nur rund 70 Prozent. Die sogenannte Single-Use-Plastics-Richtlinie der EU schreibt jedoch vor, dass bis zum Jahr 2025 77 Prozent und bis 2029 mindestens 90 Prozent der Getränkeflaschen aus Kunststoff getrennt gesammelt und recycelt werden müssen.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 17.09.2020