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29. October 2020

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„Die Krise kann auch Chancen beinhalten.“

„Die Krise kann auch Chancen beinhalten.“© Kapsch BusinessCom

Digitalisierung ist in der aktuellen Krisensituation für die Aufrechterhaltung des Wirtschaftskreislaufs unverzichtbar. Jochen Borenich, Mitglied des Vorstands bei Kapsch BusinessCom, erläutert relevante Parameter für die betriebliche Umsetzung.

Economy: Wie sehen Sie aktuelle Krisenentwicklung?

Jochen Borenich: Unterm Strich haben wir die Krise gut gemeistert und blicken positiv in die Zukunft. Natürlich hat jede Branche mit Schwierigkeiten zu kämpfen, wir sehen dabei aber auch eine Chance für die Wirtschaft, etwa ein Umdenken beim Thema Digitalisierung.

Welche IT-Dienste sind von Unternehmen aktuell besonders gefragt?

Umstellungen ins Home Office ist bei unseren Kunden gut gelungen, auch bei uns selbst. In vielen Branchen ist das immer noch Alltag und so auch das Thema Cyber-Security. Hier ist unsere Hilfe gefragt, von E-Mail Security bis zur Abwehr von Phishing-Attacken. Für verschiedene Branchen haben wir auch eine Smart Crowd Management Lösung geschaffen.

Wie funktioniert das und bei welchen Betrieben?

Intelligente Sensorik und digitale Erkennung (engl. Digital Signage) ermöglichen automatische Belegungszählungen. Dabei geht es meist um Kontrolle von Ein- und Ausgängen zur Prüfung wie viele Personen sich gleichzeitig in Geschäft oder Betriebsstätten befinden. Auch bestehende Anlagen können nachgerüstet werden, inklusive Fiebererkennung. Die Einsatzgebiete gehen von Handel und Dienstleistern über Gesundheitseinrichtungen und Ämtern bis zu Industriebetrieben sowie Banken und Versicherungen.

Was gilt es hier und beim Home-Office besonders zu beachten?

Das Thema Sicherheit, die DSGVO muss eingehalten werden und daher speichern unsere Sensoren nie personenbezogene Daten. Im Home-Office ebenso das Thema Sicherheit. E-Mail Phishing-Attacken haben Hochkonjunktur, entsprechende Schulung der Mitarbeiter ist immens wichtig.

Stichwort Daten und intelligente Anwendungen. Gibt es hier neue Entwicklungen oder Referenzprojekte?

Wir entwickelten für die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) eine digitale Datenerfassung zur Prüfung von Zusammenhang und Auswirkung von COVID-19 auf zuckerkranke Patienten, da hier ein Risikofaktor für schwere Verläufe gegeben ist. Die digitale Erfassung von Laborwerten, Begleiterkrankungen und Medikation ermöglicht eine fundierte Diagnostik. Mit unserer Entwicklung Digital Forms konnte diese Datenerfassung einfach und rasch umgesetzt werden.

Intelligentes Prozessmanagement ist zumeist mit Cloud-Services verbunden…

… Ja. Vorarlberger Textilbetriebe haben corona-bedingt täglich bis zu 24.000 Schutzmasken gefertigt. Viele tausende Einzelteile für rund 100 SchneiderInnen an verteilten Produktionsstätten bedeuten umfangreiche Logistikprozesse. Wir haben diese in kurzer Zeit auf Basis von Microsoft Cloud digitalisiert. Eine einfache App ermöglicht nun Schritte wie Ausgabe- und Paketverfolgung sowie Rück- und Fertigmeldungen von den SchneiderInnen und Spediteuren zentral zu verfolgen.

Digitalisierung steht für die Optimierung betrieblicher Wertschöpfungsketten. Welche Entwicklungen sind hier erwähnenswert?

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass intelligente Digitalisierung auch in der Industrie ein echter Gamechanger ist. In Zeiten möglichst ohne persönliche Kontakte, haben digitale Assistenzsysteme sehr schnell an Relevanz gewonnen. Etwa unser Kunde Adler-Lacke, wo mit dem Live-Video-Assistenz-System Evocall Hilfe bei Wartung oder Assistenz ohne direkten persönlichen Kontakt funktioniert. Das geht mit einer Datenbrille oder einfach mittels Smartphone-App.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 12.10.2020