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24. März 2019

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„Dann haben wir unser Ziel erreicht.“

Video: 

(Video/Text) Peter Lenz, Managing Director T-Systems Austria im economy-Gespräch über aktuelle Digitalisierungsprojekte in Unternehmen, neue Anforderungsprofile für IT-Dienstleister wie IT-Abteilungen, Parameter beim Innovationstransfer und aktuelle Entwicklungen bei Datenschutz und Mitarbeiterfindung.

Economy: Peter Lenz, Managing Director von T-Systems, wir sind hier heute in der Zentrale von T-Systems und reden über das Thema Digitalisierung. Was sind denn so die aktuellen Trends in den Unternehmen?
Peter Lenz: Was nach wie vor viel nachgefragt wird, sind Themen wie Cloud-Computing, Internet-of-Things Anwendungen (IoT), Sensorik, Analytic und all das eingebettet in Themenstellungen wie Security.

Stichwort IoT, Cloud. Können Sie ein Beispiel für eine Umsetzung nennen?
Es geht in einem Logistikfall darum große und schwere Waren auf ihren weltweiten Wegen zu verfolgen. Es ist für dieses Unternehmen wichtig zu wissen, wo sind gerade welche Warenströme unterwegs und dann aber primär auch die Frage, kommt es irgendwo zu Unterbrechungen.

Was sind dabei wichtige Erfolgsfaktoren?
Wichtig ist, eine unternehmerische Frage zu benennen, die ich mit Technik lösen kann. Wenn also meine Frage ist, sind meine Warenströme richtig unterwegs oder kommt es irgendwo zu Verzögerungen, dann kann ich spezifisch für das einen Fall aufbauen.
Um diese Frage zu beantworten, muss ich diese Warenströme mit Sensorik versehen, muss die Daten einsammeln und verarbeiten und kann dann noch die entsprechenden Zeiträume eingeben oder auch eine Warnmeldung ausgeben: Hoppla, da passiert jetzt gerade im Hafen von Singapur etwas, was mir vier Wochen später auf den Kopf fällt.

Das heißt, es hat sich umgedreht. Früher hat man sich am Technologisch machbaren orientiert, jetzt steht Anwendernutzen und Geschäftsfall im Vordergrund?
Genau. Hier ist es zudem ganz wichtig, deren Sprache zu sprechen, ihre Bedürfnisse zu kennen und sie nicht etwa mit technologischen Fragen zu erschlagen, sondern auf den Business-Bedarf eines Logistikers einzugehen.

Zeithorizont ungefähr für so ein Projekt?
Nach den ersten Rundläufen einer Warenladung liegt der Proof of Concept mit den Ergebnissen vor. Dann gehen wir in einen größeren Roll-out, wir verwenden das öfter und umfangreicher, skalieren hier also oder wir verändern etwas an der originären Basis und stellen dann vielleicht auch eine andere Frage.

Wo liegen die Erfolgsfaktoren bei so einem Projekt?
Wenn der Kunde seine Frage beantwortet bekommt. So ein Sensor liefert ja Echtzeit-Daten zu Temperatur, Ort, Stöße oder Feuchtigkeit.
Und wenn man es schafft, aus dieser Datenvielfalt die entsprechenden Ereignisse so raus zu filtern, dass sie dem Kunden einen Nutzen bringen, dann haben wir unser Ziel erreicht.

Stichwort Mobility und in dem Kontext Verfügbarkeit und Sicherheit...
... die Applikationen müssen auf mehreren Endgeräten funktionieren. Aber gehen wir zu einem anderen Beispiel, in den klinischen Gesundheitsbereich. Thema Krankenhausinformationssysteme (KIS). Da erobern wir ja mit diesen Technologien eine ganz andere Kundschaft. Wir kommen zu den Ärzten, zum Pflegepersonal und die müssen entsprechend abgeholt werden.
Dazu gehört auch eine gute Nutzungserfahrung (engl. User-Experience) mit diesen Geräten und den dahinter stehenden Programmen, damit für sich Mehrwert und Sicherheit finden und entsprechend umgehen lernen.

Weiteres aktuelles Thema Artificial Intelligence, immer mehr die Verbindung Mensch und Maschine. Gibt es hier neue Trends und etwaig auch neue Referenzen?
Die selbstlernenden Systeme sehen wir ganz stark wenn es um autonomes Fahren geht. Die Firma Asfinag arbeitet da ganz intenisv, auch auf Teststrecken, um diesen gesamten Datenverkehr, den Datenaustausch und diese Car-to-car Verbindung entsprechend zu gestalten.
Wichtig ist hier zu überlegen, welche Themenstellung habe ich, welche selbstlernenden Systeme kann ich hier etablieren, wie lernen die und wie spiele ich dann die Information wieder zu Anwender und Fahrzeug zurück.

Bleiben wir auf der Strasse. T-Systems arbeitet in einigen deutschen Städten an intelligenter Parkraumbewirtschaftung. Was gibt es da neues?
Da geht es um die Park-and-joy Applikation, um die Verteilung von Sensorik an den Parkflächen und die Informationen an den Autofahrer zu übermitteln.
Da haben dann alle was davon. Es gibt weniger kreisenden Verkehr, der Parkplätze sucht, diese werden schneller gefunden und man kann die Verrechnung automatisieren. Diese Use-Cases gibt es, die bewähren sich auch und werden zunehmend auch für andere Städte interessant.

Ein IT-Anbieter wie T-Systems muss nicht mehr nur Technologie können und verstehen, sondern immer mehr auch das klassische Business des Kunden und das nicht nur einzeln, sondern branchenübergreifend. Wie geht eine T-Systems mit diesem neuen, umfangreicheren Anforderungsprofil um?
Wir müssen uns spezialisieren. Nehmen wir das Thema IoT. Das ist unheimlich breit, die Anwendungen gehen über nahezu alle Branchen hinweg.
Hier ist eine Spezialisierung nötig, man muss auch als vertrauensvoller Partner wahrgenommen werden und dafür brauche ich auch Referenzen.
Und wenn dann zum Beispiel Track & Trace, also die Warenverfolgung rund um den Globus so eine Kernkompetenz unseres Unternehmens ist, dann muss man das dem Markt auch ganz genau so erklären.

Wenn jetzt ein Unternehmen zu Ihnen kommt und sagt, wir möchten Digitalisierung, Transformation. Wo würden Sie hier empfehlen anzusetzen?
Die Fokussierung ist z.B. bei einer IT-Abteilung nicht mehr alles selber machen zu wollen. Da kann ich sagen, ich kann Deine Leistungen übernehmen und schaffe bei Dir freie Ressourcen um sich den business-kritischeren Themen zu widmen.
Oder: Ist es vielleicht ein Kostendruck, dann kann ich wiederum mit hochstandardisierten, skalierbaren Produkten ansetzen, die sich eben entsprechend kostengünstig einsetzen lassen.
Ich muss den Kunden verstehen, was er wirklich braucht.

Was heißt das dann aber umgekehrt für die IT-Abteilung im Unternehmen? Gibt’s hier auch ein neues Anforderungsprofil?
Es ist für mich nicht verständlich warum immer noch so viel Wert auf eigene Produktion, auf eigene Serverräume, auf eigenen Betrieb von Serverräumen gelegt wird, wenn es umgekehrt ein umfangreiches, gut funktionierendes Anbot aus der Cloud gibt oder eine breite Landschaft an IT-Providern und IT-Partner, die einem diese Betriebsthemen auch abnehmen.
Und kommen wir noch mal auf dieses Spezialthema Security. Das ist besonders wichtig, weil diese breite Palette an Security-Segmenten kann ein Unternehmen mit einer bestimmten Größe ja gar nicht mehr abdecken.

Gibt es von Ihnen als T-Systems, als IT-Dienstleister generelle Erfolgsfaktoren?
Heute gehen wir sehr oft in Szenarien, wo der Kunde auch wirklich gewillt ist 10, 50 oder auch 100.000 Euro auf den Tisch zu legen und zu sagen, mir ist es das wert herauszufinden ob das mit eurer Technik funktioniert, ob mir das meine Frage beantwortet.
Das ist für mich auch ein kritischer Erfolgsfaktor, dahingehend, dass so was natürlich auch kommerziell Sinn machen muss.

Ständige Innovation ist generell ein Mittel im Wettbewerb bestehen zu können. Welche Kriterien gelten da für Sie als T-Systems?
Wir leben natürlich auch von vielen Projekten, die in diesem großen internationalen Konzern passieren. Während wir heute hier in Wien sind, arbeitet z.B. die Kollegenschaft mit einer Shell an einer neuen Öl- und Gas-Applikation und die kann wiederum auch für eine OMV interessant sein.
Eine meiner Hauptaufgaben ist es auch, von diesem Reichtum in diesem großen Konzern, Deutsche Telekom, T-Systems International, T-Mobile, die spannenden Dinge für die österreichischen Kunden ins Land zu holen, das Know-how reinzuholen.
Wir sind durch unsere Familienzugehörigkeit zum deutschen Telekom-Konzern gesegnet mit ganz viel Innovation im Bereich Datenanbindung, Connectivity, die aktuelle 5G-Technologie und da haben wir gegenüber anderen Anbietern einen massiven Vorteil.

Seit einem halben Jahr ist die neue DSGVO gültig. Welche Auswirkungen sind erlebbar im täglichen Geschäft?
Erst war das ja so ein bisschen Drohgespenst über Europa. Mittlerweile haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht und auch US-amerikanische Konzerne sehen ja plötzlich das europäische Datenschutzniveau als etwas Anzustrebendes und sehr Positives an.
Das ist aber auch ein Geschäftszweig für uns geworden, dahingehend, dass viele Kunden unsere cloud-basierende Plattform in der DSGVO-konformen Anwendung nutzen möchten, um so von aktuellen Änderungen sofort zu profitieren.
Da ist das Cloud-Produkt ganz vorne ist, weil etwaige Änderungen auf einen Schlag für alle wirken, etwa auch aus ersten legistischen Fällen und Gerichtsurteilen, die dann eingearbeitet werden.
Man ist mit einer cloud-basierenden Lösung wesentlich besser unterwegs um die DSGVO-Prozesse auch nachweisen zu können, als wenn das jetzt zum Beispiel auf .xls, Power Point oder Papier passiert.

Thema Mitarbeiter, Ausbildung. Wie geht es T-Systems hier? Etwa IoT oder andere wichtige Themen oder Projekte. Ist genügend Know-how da?
Es ist nicht genügend Knwo-how da aber wir haben ein umfangreiches Praktikantenprogramm gemacht, wo wir die Leute wirklich ein Jahr ins Unternehmen bringen, sie vernünftig und fair bezahlen und ihnen spannende Arbeiten überantworten.
Und während diesem Jahr lernen wir sie kennen und sie lernen uns kennen. Und danach übernehmen wir 70, 80 Prozent von den Praktikanten.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 29.10.2018