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18. Dezember 2018

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„In Summe wird die Welt immer vernetzter.“

Video: 

(Video/Text) Mark Winkler, Head of Digital Transformation & Business Development bei Kapsch BusinessCom im Gespräch mit economy über die rasant wachsende Vernetzung, sinnvolles Datenmanagement sowie Erfolgsfaktoren und Beispiele für umgesetzte Digitalisierungsprojekte.

Economy: Mark Winkler, Leiter Business Development & Digital Transformation bei Kapsch BusinessCom. Das Thema Mobility, rasant steigend, sowohl aus unternehmerischer Sicht, neue Standorte, aber auch Mitarbeiter betreffend, Stichwort BOYD (Bring Your Own Device)...
Mark Winkler: ... in Summe wird die Welt immer vernetzter. Smart Watch, Handy sind das beste Beispiel. Aber das kann übermorgen genauso im Gewand oder in einem Gewebe drin sein und und, und. .
Und das führt zu immer mehr Daten, die irgendwo hin fließen und dort, im Guten wie im Schlechten interpretiert und weiterverarbeitet werden.

Was bedeutet das im Kontext Netzwerk und Sicherheit?
Wir haben ein eigenes Cyber-Security-Defense-Center sowie einen eigenen Rechenzentrumsbetrieb in Österreich, in Kapfenberg (Stmk.) und auch in Wien.
Damit können wir hier gesamtheitlich sicherstellen, bzw. wissen wir, wie wir die Daten aufnehmen und übertragen, wie wir sie abspeichern und wie wir sie weiter geben.

Prognosen sagen voraus, bis 2020 rund 50 Milliarden vernetzte Sensoren. Was bedeutet das für Netzwerk und Übertragungsqualitäten?
Ich werde nicht immer alles in vollem Umfang übertragen können. Thema akustische Sensorik, wo wir auch an einem Projekt arbeiten und wo wir Unmengen an akustischen Daten aufnehmen aber parallel schon differenzieren, was davon ist wirklich relevant.
Zum Beispiel was ist eine Anomalie, was ist ein Räuspern des Getriebes, was dazu führt, dass die ganze Maschine stehen könnte – und gebe dann nur mehr gefiltert Daten weiter.

Thema Business Plattformen. Welche Entwicklungen gibt’s da?
Wir sind mitten drinnen. Es ist nicht einzusehen, dass wir Tonnen an Lebensmitteln massiv verpackt über tausende Kilometer in einen Hub führen, von dort dann in den Filialen verteilen, in die Regale einschlichten.
Sie als Mann hetzten da am Abend rein, brauchen eine halbe Stunde bis Sie überhaupt was finden, geben die Waren in den Einkaufswagen, legen sie auf die Kassa, dann wieder in den Einkaufswagen, in die Tüte, ins Auto, ins Haus und dann in den Kühlschrank.

Wie viele Schritte waren das jetzt? Locker an die zehn.
Ich behaupte, dass sich in neuen Service-Plattformen und Eco-Systemen diese Schritte auf zwei bis drei reduzieren werden.
Wenn ich heute eine Lösung finde, wie ich diese Produkte intelligenter von A nach D bringe ohne B und C dazwischen machen zu müssen, dann wird das eine massive Veränderung erfahren.
Und da kann Technologie, Sensorik, Tracking helfen. Das wird passieren und da sind wir gerade dran.

Welche technologischen Bereiche sind von den Unternehmen im heurigen Jahr besonders gefragt?
Es gibt keine Blaupause, die einem sagt, so digitalisiert man oder so schafft man mit Digitalisierung Innovation. Für uns haben sich aus über 100 Workshops mit unseren Kunden fünf große Technologieblöcke heraus gebildet.
Das eine ist das Thema Sensorik. Sensorik ist das was ich brauche, um Dinge ins Digitale zu bringen. Der zweite große Block ist Übertragungstechnik, Connectivity. Eine möglichst sichere Datenautobahn zu schaffen.
Der dritte Technologieblock bezeichnet dann die ganzen Software-Plattformen. Nicht zu verwechseln mit den Business-Plattformen, die dann sozusagen oben drüber liegen.
Der vierte Bereich ist Artificial Intelligence (AI), Analytics, hier dann wirklich Intelligenz und Routinen rein zu bringen. Und der fünfte Block ist dann das ganze zu visualisieren, die Usability für den Endanwender zu schaffen und das sind dann die Applikationen, die sogenannten Front-End-Blöcke dazu.
Und diese fünf Blöcke ermöglichen Digitalisierung, digitale Transformation.

Das heißt, von der erwähnten Metaebene geht’s dann runter auf die einzelnen Fachbereiche?
Ja. Dahinter ergeben sich dann Begrifflichkeiten wie etwa IoT, das erst durch einen Großteil dieser Blöcke in Kombination möglich wird.
Oder Big Data, auch etwas, das meistens die Summe aus mehreren Fachbereichen darstellt. Da kommt der Informationsfluss rein in einen großen Datensee, den ich aber dann auch mit einer entsprechenden Analytics-Anwendung erst nutzbar machen kann.

Wie gehe ich jetzt um, z.B. ein Sensorik-Projekt oder ein AI, BI-Projekt im Unternehmen umzusetzen?
Was denkbar ist, ist machbar. Unsere erfolgreichsten Projekte basieren in einer Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen, das den Bedarf hat, uns als Integrator, aber auch Technologieunternehmen.
Wir haben das Know-how, wie wir Technologien richtig einsetzen und kombinieren können. Wir maßen uns aber nicht an, das Know-how in jeder Branche zu haben.
Wenn wir es aber schaffen, in ein gemeinsames Gespräch zu gehen und da das Branchenwissen mit dem vernetzenden IT-Wissen zu verbinden und das Ganze eingerahmt in einen Design-Thinking-Workshop, dann ist das schon sehr effizient.
Und das führt dann relativ schnell zu einem ersten Prototypen. Und in dem Moment, wo es zu einem Prototypen kommt, macht der Kunde erfolgreich den Schritt in Richtung Digitalisierung.

Welche kritischen Erfolgsfaktoren werden im Allgemeinen von Unternehmen an IT-Projekte gestellt?
We transform Ideas into Business-Value. Wir sind überzeugt, dass das der richtige Anspruch ist und der umfassende. Kennzahlen, messbare Kennzahlen und die sind umrahmt mit einem Budget.

Aber unterm Strich ist das Thema Geld.
Bei Projekten, wo es um etwas geht, wo es Blaupausen gibt, etwa ein Netzwerk zu erneuern, das Rechenzentrum zu erneuern, in Summe also Erneuerungsprojekte, da sind die Rahmenparameter gut aus der Vergangenheit ableitbar.
Die interessantere Übung ist eben digitale Innovation schaffen, Ideen aufzugreifen und diese Ideen in echten geschäftlichen Mehrwert zu transferieren.

Ein ganzheitlicher IT-Dienstleister wie Kapsch BusinessCom muss sich nicht nur mit Technologie, sondern immer mehr auch mit den betrieblichen Business-Anforderungen auseinander setzen. Wie geht Kapsch mit diesem neuen Anforderungsprofil um?
I
ch halte nichts davon sich drei, vier Jahre ins Kämmerlein einzusperren und irgendwelche Ideen oder Produkte zu erfinden, denen dann einen Branchennamen oder ein Branchensegment zuzuordnen und damit versuchen das Geschäft zu machen.
Wir laden die Unternehmen ein oder die Unternehmen laden sich ein zu uns und wir tauchen in deren Branche ein, teilen aber auch unsere Informationen und Best-Practice-Ansätze aus anderen Branchen – um das dann zu einem Prototyp zu bringen und vom Prototyp dann zur Implementierung und zum Produktivsystem. Das ist eigentlich unser Ansatz.

Können Sie uns ein Praxisbeispiel nennen für so eine Umsetzung?
Wir arbeiten mit dem Textilcluster Vorarlberg an smartem Gewebe. Gewebe, kombiniert, eingestickt mit Sensorik. Ich könnte dieses Gewebe nehmen und auf ein Dach legen und damit erkennen, wo oder wie Wasser eintritt wenn das in der zweiten oder dritten Schicht liegt.
Das gepaart mit der richtigen Übertragungstechnik, zum Beispiel Lora in diesem Fall, erzeugt schon einmal den richtigen Informationsfluss.
Das Ganze kombinieren wir mit der SAME-Plattform, das ist die Kapsch-eigene IoT-Plattform, ursprünglich entwickelt um tausende von Stromzählern zu detektieren.
Wenn diese Software ausgelegt ist in betrieblichem Umfang tausende von Stromdaten zu erfassen, dann kann ich sie auch nutzen um tausende Wetterdaten zu erfassen.
Diese Plattform verarbeitet und visualisiert das Ganze und dann verknüpfe ich die entsprechende Analytics-Anwendung dazu.
Diese Daten eben mit Wetterdaten und mit Daten aus der Historie zu verbinden, erzeugt ein Frühwarnsystem.

Wie sehen Sie generell die Innovationsbereitschaft österreichischer Unternehmen?
Die Industrie ist mit Sicherheit weit vorne. Sie treffen dort Unternehmen, die sich selbst disrupten.
Das ist überhaupt das Vorausschauendste, wenn ich sage, ich bin in einem guten Geschäft, schaue mir Digitalisierung an und überlege mir, wie könnte ich morgen zerstört werden durch einen Konkurrenten und beginne selbst damit.
Man kann davon ausgehen, alles was sich digitalisieren lässt, wird digitalisiert werden.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 19.11.2018