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19. October 2019

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Smart Metering bei Österreichs Energieversorger kein Thema

Smart Metering bei Österreichs Energieversorger kein Thema© Bilderbox.com

Österreichische Energieversorger nutzen Smart Metering noch kaum in ihrem Produktportfolio. Nur 10 bis 15 Prozent der Betriebe bieten aktuell smart-meter-basierte Angebote. Die generellen Geschäftsaussichten sind überaus positiv und das gilt auch für Deutschland, so eine aktuelle Erhebung von EY.

(red/czaak) Ein Grund für die bislang zurückhaltende Integration von Smart-Meter-Angeboten in Produkte der Energieversorger ist die noch niedrige Roll-out-Quote. Ende 2018 waren etwas mehr als eine Million intelligente Messsysteme in Österreich installiert. „Das entspricht einem Implementierungsstand von unter 20 Prozent“, erklärt Stefan Uher, Leiter des Energiesektors bei EY Österreich. 

Laut gesetzlichen Vorgaben muss die österreichische Energiewirtschaft bis 2020 80 Prozent der österreichischen Haushalte mit intelligenten Messgeräten für den Stromverbrauch ausstatten. Die Energieunternehmen beschränken ihr smart-meter-basiertes Produktportfolio zurzeit auf variable Tarife und die Verbrauchsvisualisierung. Auch spartenübergreifende Bündelablesungen sind bereits im Einsatz.

Datenschutzrechtliche Bedenken versus neue Geschäftsmodelle
Smart Metering würde allerdings aus Sicht von EY weitaus mehr Potenzial bieten, etwa im Hinblick auf die Datenvermarktung. „Viele Energieversorger haben datenschutzrechtliche Bedenken, trotzdem sollte dieses Geschäftsfeld nicht völlig ignoriert werden. Auch andere Branchen haben bereits beachtliche Potenziale mit scheinbar wertlosen Nutzerdaten heben können“, erläutert Uher.

Zumindest erkennt die überwiegende Mehrheit der österreichischen Energieversorger den hohen Wert der gesammelten Daten. Knapp zwei Drittel (65 Prozent) gaben an, dass Analytics und Big Data-Anwendungen zur Entscheidungsunterstützung für die Energiewirtschaft besonders relevant sind. Vier Fünftel der Befragten schätzen Smart Metering als wichtige Technologie ein.

Reduzierte Erwartungen an Blockchain und künstliche Intelligenz
Die Erwartungen an Blockchain und künstliche Intelligenz haben sich im Energiesektor gegenüber dem Vorjahr hingegen deutlich reduziert. 2018 sprachen sich noch zwei Drittel (68 Prozent) für die hohe Relevanz von Blockchain aus, 2019 nur mehr jeder Dritte (35). Neue Technologien in Bezug auf künstliche Intelligenz schätzen heuer nur noch 15 Prozent als zukunftsweisend ein. Im Vorjahr war es noch fast die Hälfte (47 Prozent).

Das sind die Ergebnisse der „Stadtwerkestudie 2019“ der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Dafür wurden Geschäftsführer und Vorstände von insgesamt 172 Unternehmen aus der Energiewirtschaft im deutschsprachigen Raum befragt, darunter 20 Organisationen aus Österreich. 

Positives Geschäftsjahr 2018 für Österreich und Deutschland
Insgesamt verlief das Geschäftsjahr 2018 für die heimische Strombranche äußerst positiv. Vier Fünftel (80 Prozent) der Energieversorger sind zufrieden (deutsche Kollegen 74 Prozent). Sowohl die intensiven Bemühungen im Bereich der Kundenbindung als auch die steigende Kundenanzahl unterstützten das positive Ergebnis. Zudem haben zusätzliche Einnahmen in anderen Bereichen zum generell erhöhten Absatz beigetragen.

Etwas weniger optimistisch zeigen sich die Befragten im Hinblick auf die Entwicklung im aktuellen Geschäftsjahr. 65 Prozent der österreichischen Energieversorger erwarten, auch im laufenden Geschäftsjahr an den letztjährigen Erfolg anknüpfen zu können. Die deutschen Energieunternehmen sind mit 71 Prozent deutlich optimistischer.

Speziell ein hoher Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs und Personal trägt zur vorsichtigen Einschätzung der Entwicklung für dieses Jahr bei. Das Thema Digitalisierung nehmen die heimischen Energieversorger eindeutig als Zukunftsthema wahr. Zwei Drittel (65 Prozent) erkennen darin eine Chance. Jeder Fünfte sieht darin eine Bedrohung, Hauptthema sind hier die Cyber-Attacken und möglicher Datenverlust.

Digitalisierung und Konvergenz zwischen Chance und Risiko
Ein weiterer Trend zeigt das Engagement bislang branchenfremder Unternehmen in traditionellen Geschäftsfeldern der Energieversorger. Diese aus IT, Medien und Unterhaltung bekannte Sektorenkonvergenz prägt zunehmend auch die Energiebranche. Über die Elektromobilität wachsen etwa Autoindustrie und Energiewirtschaft zusammen. Und Telekom-Betriebe, Paketdienstleister und Wohnungsgesellschaften arbeiten am Aufbau der Elektroladeinfrastruktur. 

Die österreichischen Energieversorger stehen dieser Verzahnung unterschiedlicher Branchen positiv gegenüber. „Die durch die Digitalisierung beeinflusste Vernetzung verschiedener Branchen wird von der Energiewirtschaft als große Chance wahrgenommen. Es eröffnen sich neue Geschäftsfelder, etwa im Bereich Elektromobilität, wo viele Energieversorger bereits aktiv sind“, unterstreicht Uher.

Energieversorger als umfassende Plattformbetreiber
Die bestehenden Aktivitäten sind aber erst der Anfang. Energieversorger sehen sich zukünftig etwa als umfassende Plattformbetreiber im Betrieb von Smart-Meter-Gateways, der Ladeinfrastruktur oder im Bereich der dezentralen Stromerzeugung. 

„Die rasante Digitalisierung und neue Marktakteure in der Energiewirtschaft bergen neben Chancen für neue Geschäftsmodelle auch Risiko – wenn die Veränderung hin zu einer agilen und innovationsfördernden Unternehmenskultur nicht ganz oben auf der Agenda der heimischen Energieversorger steht“, so EY-Experte Uher abschließend.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 16.09.2019