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15. November 2019

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Handlungsbedarf bei Dienstleistern und Finanzbetrieben

Handlungsbedarf bei Dienstleistern und Finanzbetrieben© Bilderbox.com

Wettbewerb. Tourismusbranche und Banken müssen auf Digitalisierung und EU-Richtlinien reagieren.

(Christian Czaak) Die digitale Transformation im Konsumverhalten der Menschen und in der betrieblichen Organisation erfasst nun zunehmend auch den Dienstleistungsbereich mit Fremdenverkehr sowie Banken und Versicherungen. Ein Beispiel im Tourismus betrifft die steigende Zahl chinesischer Gäste in Österreich. 2018 legten ihre Gesamtausgaben um 28 Prozent zu. Bei den Tax-Free-Einkäufen liegt China mit 30 Prozent oder durchschnittlich 616 Euro je Einkauf an der Spitze der außereuropäischen Länder, die ansonsten im Schnitt 508 Euro je Besucher ausgeben.

Tiroler Digitaloffensive
Immer mehr Betriebe erkennen dieses Potential und nun gilt es die richtigen Vertriebskanäle zu finden. Chinesen regeln so gut wie alles über ihr Smartphone und nutzen dabei Plattformen und Bezahldienste wie WeChat oder Alipay. Beide Anwendungen stellen über die App Informationen zu Akzeptanzstellen zur Verfügung und hier können sich Unternehmen und Institutionen entsprechend positionieren und über gezielte Anbote zusätzliche Anreize setzen.

In Österreich hat kürzlich die Tirol Werbung als übergeordnete Landestourismusorganisation eine China-Pay-Initiative gestartet (economy berichtete). Gemeinsam mit den Tourismusverbänden Innsbruck, Kitzbühel, Kufsteinerland, Ötztal, St. Anton, den Swarovski Kristallwelten und dem Zahlungsdienstleister Wirecard wurden 150 Tiroler Betriebe mit den entsprechenden Lösungen ausgestattet, um Zahlungen von chinesischen Gästen akzeptieren zu können.

"Wir versprechen uns einen Wettbewerbsvorteil, wenn wir als erstes Bundesland Österreichs chinesische Mobile-Payment-Methoden in großem Umfang einführen. Die Einführung der digitalen Payment-Plattform von Wirecard ist auch eines der ersten Projekte im Rahmen der Digitalisierungsoffensive Tirols“, erläutert Holger Gassler von der Tirol Werbung.

Open Banking Plattform
Ein anderes Dienstleistungssegment mit Bedarf zur Neuorientierung betrifft Banken und Versicherungen. Die veränderten Bedürfnisse von Privat- und Unternehmenskunden erfordern neue digitale Ökosysteme und dazu kommt nun auch die neue PSD2-Richtlinie der EU, die vereinfacht ausgedrückt eine wettbewerbsrelevante Öffnung von Banken in Richtung neuer externer Dienstleister vorsieht (economy berichtete).

Zur Umsetzung dieser Anforderungen setzen nun etwa die deutsche Bank für Sozialwirtschaft oder die schweizerische UBS auf die standardisierte Open Banking Plattform des Fintechs NDGIT, wo PSD2-Regularien und neue Produkte externer Partner integriert werden können ohne eigene Systeme grundlegend zu ändern. „Mit NDGIT realisieren wir unsere Digital Banking Strategie und zudem ermöglicht uns die PSD2-Software, die regulatorischen Anforderungen effizient zu implementieren“, sagt Pascal Schüller von der Bank für Sozialwirtschaft.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 10.09.2019