Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

11. Juli 2020

Search form

Search form

Bot-Technologien für Corona-Kommunikation

Bot-Technologien für Corona-Kommunikation© Kim_Dahl_Vagtcentralen_Microsoft

Internationale Gesundheitsorganisationen setzen bei Kontakt mit Bevölkerung auf virtuelle Assistenten. Innovation von Microsoft verknüpft intelligente Cloud-Services mit Spracherkennung für automatisierte Analyse und Verteilung großer Anrufzahlen.

(red/czaak) Als sich Anfang dieses Jahres die Coronavirus-Pandemie in ganz Europa auszubreiten begann, stieg die Zahl von Anrufen besorgter Menschen bei diversen Gesundheitseinrichtungen rasch an. Beim Medizinischen Notfalldienst in Kopenhagen etwa passierte innert kurzer Zeit eine Verdoppelung auf über 2.000 Anrufe pro Tag. Trotz Eröffnung eines zweiten Callcenters reichten die Kapazitäten nicht aus, um alle Anfragen zu bearbeiten. 

Spezielle Healthcare-Bot-Entwicklung
“Wir stellten bald fest, dass viele Menschen die gleichen allgemeinen Fragen hatten. Ein Bot als virtueller Assistent schien eine gute Option zu sein, um die Belastung der Belegschaft zu verringern“, sagt Freddy Lippert, Geschäftsführer und Arzt der Kopenhagener Einrichtung. „Der Bot kann nicht nur viel mehr Volumen bewältigen als das Callcenter, er kann auch einen Symptom-Check durchführen und anhand medizinischer Protokolle Risikopatienten identifizieren und bei Bedarf oder zutreffenden Symptomen leitet er Anrufer an reale Notrufmitarbeiter weiter“, erklärt Lippert.

Der Medizinische Notfalldienst Kopenhagen ist einer von mehreren internationalen Gesundheitsorganisationen, welche eine Healthcare-Bot-Entwicklung von Microsoft nutzen, um Menschen auf eine mögliche Infektion mit dem Corona-Virus und entsprechende Behandlungsmöglichkeiten zu screenen. Der über die Microsoft-Cloud „Azure“ betriebene Dienst nutzt künstliche Intelligenz (AI) und natürliche Sprachverarbeitungstechnologien, um Organisationen dabei zu unterstützen, ihre eigenen Bots zu entwickeln.

Über die Grenzen Europas hinweg
Operativ beantwortet der virtuelle Assistent viele der Anfragen und spielt so Ärzte und Pflegepersonal frei. Diese können sich sodann jenen Patienten widmen, die akuter Pflege bedürfen. „Die dabei anfallenden persönlichen Daten bleiben im Eigentum der Organisation, die auch allein auf diese sensiblen Informationen Zugriff hat“, so Microsoft in einer Aussendung.

Der Bot-Dienst von Microsoft Healthcare wurde ursprünglich zur Unterstützung gängiger Szenarien für virtuelle Gesundheitsassistenten entwickelt. Durch die Corona-Pandemie und drohende Überforderungen der Gesundheitssysteme, starteten Organisationen in den USA, Europa und im Nahen Osten den Einsatz, um Personen rascher auf mögliche Corona-Infektion zu untersuchen. Angaben zufolge haben Gesundheitsorganisationen seit März 1.230 Corona-Bots entwickelt, die auf dem Microsoft-Service basieren. In Summe wurden damit per Stand Ende April 18 Millionen Personen erreicht und über 160 Millionen Nachrichten übermittelt.

Unterstützung beim Kampf gegen Corona
“Bots können dazu beitragen, den corona-bedingten Druck der Beschäftigten im Gesundheitswesen etwas zu mildern, indem sie PatientInnen mit Informationen versorgen“, sagt Kathrin Wacker, Leiterin Public Sector bei Microsoft Österreich. In Kopenhagen hat der Medizinische Notfalldienst auf Basis von Microsoft-Healthcare in weniger als zwei Tagen seinen eigenen Corona-Bot entwickelt und eingeführt. Angaben zufolge beantwortete der Bot am ersten Tag 30.000 Anrufe und reduzierte entsprechend die Belastung der dänischen Notrufnummern und des medizinischem Personals.

Weitere Gesundheitseinrichtungen, welche die Microsoft-Entwicklung nutzten, sind das italienische Spallanzani-Krankenhaus, das Universitätsklinikum Helsinki in Finnland oder das Sourasky Medical Center in Tel Aviv. „Microsoft arbeitet mit Gesundheitsorganisationen auf der ganzen Welt zusammen, um deren eigene Versionen des Healthcare Bot zu implementieren. Ziel ist, das Gesundheitswesen bei der Bekämpfung der Pandemie zu unterstützen“, so der amerikanische Software-Konzern in seiner Aussendung.“

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 04.05.2020