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07. Juni 2020

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Auf der Schwelle zum Weltmarktführer

Auf der Schwelle zum Weltmarktführer© Pexels.com/Lukas Rodriguez

Wirecard setzt auf bedarfsorientierte Innovation für Unternehmen und Konsumenten und auf nachhaltiges Wachstum. Die globale Vertriebsstrategie beinhaltet eigene Standorte sowie Geschäftspartnerschaften mit lokalen Marktführern und technologischen Leitbetrieben.

(Christian Czaak) Das Vorgänger-Unternehmen von Wirecard in Österreich hieß Qenta Payment Solutions. Der promovierte Betriebswirtschafter Georg Kristoferitsch hatte Ende 1999 in Klagenfurt ein Serviceunternehmen für die internetgestützte Bezahlung im damals noch jungen E-Commerce entwickelt und innerhalb kurzer Zeit viele Handelsunternehmen, Fussball-Vereine oder Internet-Dienstleister als Kunden gewonnen.

1999 Gründung in Deutschland
Wirecard wird 1999 in Deutschland als Zahlungsabwickler für Internetgeschäfte gegründet. 2005 erfolgte die Übernahme des börsennotierten (Anm. Neuer Markt/D) Informationsdienstleisters InfoGenie (Schwerpunkt Hotlines) und ab 2006 dann die Notierung im deutschen TecDax. Zwischen der Tec-Dax Notierung 2006 und der dann im Jahr 2018 stattfindenden Aufnahme in die erste Börsenliga Dax erfolgen nachhaltige Markteintritte in Europa, Naher Osten, Asien, Afrika, Australien, Indien, China sowie Nord- und Südamerika.

Fundament und Baustoffe für globales Wachstum
Fundament und Baustoffe für das globale Wachstum sind Produkte und Dienstleistungen im Bereich E- und M-Commerce, digitale Finanztechnologien und Risikobewertung sowie insbesondere laufende Produktinnovationen wie eigene Prepaid-Karten, erste mobile Zahlungsformen, Near-Field-Communiations (NFC) und andere kontaktlose Kassen-Lösungen (PoS), Zahlungs-Apps wie WeChat, AliPay oder Boon, Blockchain-Anwendungen, Künstliche Intelligenz, Sensorik und IoT sowie E-Mobility-Lösungen - bis hin zu komplett autonomen Einkaufsprozessen und biometrischen Zahlverfahren. Nahezu alle diese Innovationen werden bedarfskonform und nutzenorientiert in den hauseigenen Innovation-Labs von Wirecard entwickelt und sodann entsprechend erfolgreich am Markt etabliert.

Die wichtigsten Meilensteine
Die wichtigsten Meilensteine ab der Notierung im Tec-Dax 2005 lauten dabei: 2006 Erhalt einer deutschen Banklizenz und Gründung der Wirecard Bank AG. 2007 erstmalige Ausgabe eigener Prepaid-Karten sowie Gründung der Wirecard Asia Pacific. 2009 Übernahme der E-Credit-Plus Ltd. in Singapur. 2011 Gründung der Wirecard Card Solutions nach Übernahme des kompletten Prepaid-Kartengeschäfts mit rund 1,5 Mio. Kunden der in sechs europäischen Ländern tätigen Genossenschaftsbank Newcastle Building Society (GB).

Übernahme von Qenta Payment Solutions in Österreich
2011 übernimmt Wirecard dann auch in Österreich die Qenta Payment Solutions, die zu diesem Zeitpunkt bereits mit tausenden Unternehmenskunden Marktführer war. Die vorherigen Firmensitze in Graz und Klagenfurt wurden beibehalten und gemeinsam mit Wien als Brückenkopf und Zentrale für den gesamten Zentral- und Osteuropäischen Raum (CEE) ausgebaut. Konzernweit folgen 2012 wichtige Produktinnovation im Bereich Mobile Payment und für den Point-of-Sale (Anm. mPos) sowie weitere Firmenübernahmen in Indonesien.

Neue Übertragungstechnologien
2013 war dann ein besonders wichtiges Jahr und das wiederum produktseitig wie auch beim weiteren unternehmerischen Wachstum. Produktseitig kamen neue Übertragungstechnologien wie etwa Near-Field-Communication (NFC; kontaktloses Bezahlen) oder QR-Codes sowie neue Mehrwertdienste im Bereich Loyalty und Couponing sowie Mobile-Payment. Die weitere betriebliche Expansion passierte mit weiteren Zukäufen und Partnerschaften in Südostasien (Malaysia, Thailand und Vietnam).

Payment für alle Vertriebskanäle
2014 folgen Wachstumsschwerpunkte mit weiteren Niederlassungen in Europa, Afrika, Südafrika und Asien, weiters im Nahen Osten (Türkei) sowie in Neuseeland und Australien. Produkt- und serviceseitig wird Wirecard zum weltweit führenden Dienstleistungsunternehmen für die elektronische und digitale Zahlungsabwicklung – und das über bzw. für alle Vertriebskanäle: im stationären Geschäft im Kassenbereich (PoS) ebenso wie über Smartphones, Pads und alle anderen internetfähigen Endgeräte.

Strategisch wichtige Übernahmen in China und Indien
2015 folgen die strategisch und marktspezifisch besonders relevanten Länder Indien und China. In Indien wird das Payment-Segment der Great Indian Retail Group übernommen und parallel startet die Kooperation mit der chinesischen Alipay zur Bereitstellung und Abwicklung von PoS-Zahlungen für das Ali-Pay Payment in ganz Europa. Produktseitig passiert der Start der mobilen Bezahllösung „boon“ als Innovation speziell für das Zahlen mittels Smartphones.

Alle Kontinente abgedeckt
Ende 2015 sind also Europa, der Nahe Osten mit der Türkei, Asien, Afrika, Australien, Neuseeland sowie gesondert Indien und wichtige Teile Chinas abgedeckt. Jetzt fehlt noch Amerika und das passiert 2016. Relevant für den nordamerikanischen Markt erfolgt hier die Übernahme der City Prepaid Card Services in Philadelphia (US) und die Expansion nach Südamerika erfolgt mit der Akquisition des brasilianischen Zahlungsdienstleisters Moip in Sao Paulo.

Ausweitung im asiatischen und pazifischen Raum
2017 folgt der Erwerb des Kundenportfolios für die Kartenakzeptanz der Citigroup in weiteren elf Ländern aus dem asiatisch-pazifischen Raum sowie parallel die Akquisition des südafrikanischen Payment-Providers MyGate. Die mobile Payment-App boon startet mit Apple Pay in Frankreich, England, Irland, Italien, Spanien sowie in Deutschland, Schweiz und Österreich. 2018 passiert dann die Aufnahme von Wirecard in den Dax als erste Liga der wichtigsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands.

Zusätzliche Produktinnovationen
In all den angeführten Jahren passieren zusätzliche Produktinnovationen im Bereich Künstlicher Intelligence, Internet-of-Things, Sensor-Technologien, Blockchain-Technologien sowie branchenübergreifende Unternehmens-Plattformen. Dazu kommen vertriebs- oder technologieorientierte Kooperationen mit führenden Konzernen wie Deutsche Telekom, BASF, SAP, Visa, TUI, KLM oder American Express u.w. sowie die internationale Zahlungsabwicklung für Unternehmen wie Aldi, IKEA, Telefonica oder Getty Images (ebenso u.w.).

Über 290.000 Unternehmen Kunden und Vertriebspartner
In Österreich erfolgt die Entwicklung und Umsetzung neuer Zahlungs-Apps etwa für die österreichischen Billa-Märkte oder die Integration der bei den Chinesen besonders beliebten Zahlungsformen WeChat und AliPay für nahezu alle Tiroler Fremdenverkehrsbetriebe und weitere Dienstleister oder Händler. In Summe und weltweit kooperiert und serviciert Wirecard Ende 2019 Dienstleistungen rund um mobiles Bezahlen, E-Commerce, Finanztechnologien und Risikobewertung für knapp 300.000 Unternehmen.

Hauseigene Innovation-Labs
Viele Innovationen aus den hauseigenen Innovation-Labs betreffen auch den stationären Handel. Aktuell etwa gemeinsam mit T-Systems einen sogenannten Connected-Store, wo auf Basis von Sensorik und KI bereits komplett autonomes Einkaufen bis hin zu Bezahlung und automatisierten Warenwirtschaftsprozessen umgesetzt wird. Oder der Smart-Mirror von Wirecard, ein intelligenter interaktiver Spiegel, der komplett neue Einkaufs- und Warenauswahlprozesse ermöglicht. Ebenso eingesetzt werden bereits neue biometrische Bezahlverfahren am PoS, etwa mittel Iris-Scanner oder per Fingerabdruck.

E-Mobility
Ein weiteres relevantes Thema ist der Bereich E-Mobility. Über eigene Entwicklungen und Kooperationen mit führenden internationalen Dienstleistern für E-Infrastruktur wie Enio, Smatrics oder Wirelane etabliert sich Wirecard rasch als Marktführer in zahlreichen europäischen Ländern. Produktentwicklung und Vertrieb orientieren sich dabei wiederum sowohl an Bedarf bzw. Nutzen von Unternehmen wie auch von privaten Konsumenten.

Die Zukunft des Einkaufens
Eine zunehmend wichtige Rolle beim Thema Konsum spielen branchenübergreifende Partnerschaften und -Lösungen. Tankt etwa ein E-Autobesitzer am Weg zum Supermarkt an einer Stromtankstelle, so kann er hier Information über Sonderangebote bekommen – oder umgekehrt im Supermarkt einen Gutschein zum E-Tanken. Konsumangebote und digitale Zahlungsmöglichkeiten direkt in Autos oder das Thema Voice-Commerce sind in den strategischen Planungen und Serviceentwicklungen von Wirecard weitere zentrale Punkte.

Treibende Kraft für den Erfolg
Treibende Kraft für all diese Innovationen und die kontinuierliche Wachstumsstrategie ist der Vorstandsvorsitzende und CEO Markus Braun. Der 1969 in Wien geborene Wirtschaftsinformatiker sowie promovierte Sozial- und Wirtschaftswissenschafter kommt 2002 vom Berater KPMG-Deutschland zu Wirecard und übernimmt den Vorstandsvorsitz (CEO) sowie als CTO die Verantwortung für den technischen Bereich. Braun ist über die MB Beteiligungs GmbH mit 7 Prozent auch größter Anteilseigener der Wirecard AG.

Die Liga der Weltmarktführer
Unter seiner Führung adressiert Wirecard mit einer breiten Produkt-Palette sowohl branchenübergreifend andere Betriebe wie auch Milliarden an Konsumenten. Diese b2b2c (business-to-business-to-consumer) Strategie und das kontinuierliche globale Wachstum erinnert an die Geschichte anderer Weltmarktführer wie SAP (wiewohl rein b2b), Apple und sogar bis hin zu Amazon. Dazu passt auch die „Story“ an der Börse und beim Ertrag. Von der Notierung im TecDax 2006 bis zu Aufnahme in den deutschen Leitindex DAX im Jahr 2018 vergehen zwölf Jahre.

Eine mögliche Definition der nächsten Zielsetzung
Das EBITDA-Ergebnis entwickelt sich im gleichen Zeitraum von 10 auf 560 Millionen Euro. Mit 125 Milliarden Transaktionsvolumen im Jahr 2018 durchbricht Wirecard erstmals die 100 Milliarden-Schallmauer. Dieser Betrag entspricht jetzt schon einmal rund der Hälfte des Amazon-Umsatzes von 2019 in Höhe von rd. 256 Mrd. Euro (Anm. rd. 280 Mrd. US$). Das nächste Unternehmensziel von Wirecard ist hiermit definiert.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 19.05.2020