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18. October 2018

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Digitaler Familienalltag im Volksschulalter

Digitaler Familienalltag im Volksschulalter© Saferinternet.at

Medienerziehung ist in der digitalen Welt anspruchsvoller geworden.

Eltern sind oftmals verunsichert, besorgt oder überfordert. Anlässlich des 15. Safer Internet Day präsentierte Saferinternet die Ergebnisse einer aktuellen Studie zum Thema „Digitale Medien im Volksschulalter – Perspektiven von Kindern und ihren Eltern“.
Bereits Kinder im Volksschulalter nutzen das Internet immer intensiver. Dafür werden nicht nur Computer oder Smartphone der Eltern verwendet, bereits in der Volksschule besitzt mehr als die Hälfte der Kinder eigene Geräte. Dieser frühe Medienkonsum wirft viele Fragen auf: Was machen Kinder im Internet? Welche Herausforderungen gibt es im digitalen Familienalltag? Wie kann Medienerziehung gelingen?

Verunsicherte und überforderte Eltern
Im Rahmen der Initiative Saferinternet beauftragten das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und die Internet Service Providers Austria (ISPA) das Institut für Soziologie der Universität Wien mit einer Studie zum Thema „Digitale Medien im Volksschulalter“. In der Studie wurden Kinder im Alter von 6 bis 9 Jahren und deren Eltern zum Umgang mit digitalen Medien befragt. Ergänzt wurde die Erhebung durch Praxiserfahrungen aus zahlreichen Saferinternet-Volksschul-Workshops der vergangenen Jahre.
Dass Mütter und Väter im Zeitalter mobiler Geräte nicht mehr auf die Erfahrungen ihrer eigenen Kindheit mit Fernsehen oder dem gemeinsamen Familiencomputer zurückgreifen können, löst Unsicherheit aus. Sie suchen Orientierung und Antworten auf Fragen wie: Was ist ein angemessenes Medienverhalten? Ab wann ist für mein Kind ein eigenes Handy angebracht? Wie viel Zeit darf es mit dem Internet verbringen? Wie kann ich die Internetnutzung altersgerecht einschränken? Wie kann ich die eigenen Geräte kurzfristig sicher machen, wenn meine Kinder sie mitbenutzen?

Regeln und Grenzen ohne Patentrezepte
Die Bandbreite, wie Eltern versuchen, die Herausforderung der Medienerziehung zu meistern, reicht von „Kopf in den Sand stecken“ über wenig Kontrolle bis hin zu Internetverbot. Es gilt, das richtige Maß zwischen Kontrolle und dem Vertrauen in die eigenen Kinder bzw. dem Respekt vor deren Privatsphäre zu finden. Entscheidend ist, dass Eltern auch selbst die vereinbarten Regeln einhalten. „Die Vorbildwirkung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, betont Bernhard Jungwirth, Koordinator bei Saferinternet.
Für Erstaunen und Besorgnis vieler Eltern sorgt die punktuell hohe Medienkompetenz der 6- bis 9-Jährigen. Kinder erweisen sich häufig als sehr geschickt bei der Bedienung der Geräte und Apps. Darüber hinaus können sie gut einschätzen, welche Bilder sie veröffentlichen dürfen. Großen Lernbedarf gibt es aber beispielsweise, wenn es darum geht, Inhalte zu bewerten und raffinierte Werbeformen zu erkennen. Außerdem brauchen Kinder Unterstützung dabei, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen und sinnvoll darauf zu reagieren.
Bei angstmachenden Inhalten reagieren die Kleinen meist mit Wegklicken, Umdrehen oder Ablenkung, großteils also mit Verdrängung. „Da Kinder selten über ,gruselige’ Erfahrungen in der digitalen Welt sprechen, ist es besonders wichtig, dass Bezugspersonen auf sie zugehen und dieses Thema von selbst ansprechen. Auch technische Sperren oder Programme können diese Gespräche keinesfalls ersetzen, sondern bergen seitens der Eltern vielmehr die Gefahr einer trügerischen Sicherheit“, so Maximilian Schubert, Generalsekretär des Saferinternet.at-Partners ISPA.

Eltern und Schule gefordert
Eltern, die sich nicht an vereinbarte Regeln halten, zählen zu den größten Ärgernissen der befragten Volksschüler. Etwa, wenn die Erwachsenen selbst zu häufig vom Smartphone abgelenkt sind und die Kinder mit dem Handy um Aufmerksamkeit konkurrieren müssen. Oder wenn Eltern ungefragt Kinderfotos weiterschicken. Ein weiterer wesentlicher Störfaktor für die 6- bis 9-Jährigen: Nervige Werbung, die sie nicht wegklicken können. Last but not least unter den Ärgernissen der Kinder ist die Ausgrenzung, wenn sie mangels eines eigenen Smartphones im Freundeskreis nicht mitreden oder mitmachen können.
Im Gegensatz zu später ist im Volksschulalter noch häufig zu beobachten, dass Kinder an sich selbst körperliche Symptome bewusst erkennen können und spüren, wann sie zu lange mit Smartphone & Co spielen. „Von klein auf liegt es an den Eltern, Kinder dabei zu unterstützen, diese Grenzen wahrzunehmen und Handlungsalternativen anzubieten und einzuüben. Diese können sein: sich bewegen, ins Freie gehen, analoge Spiele spielen, Essen, Trinken, mit den Kindern gemeinsam etwas unternehmen. Gerade im Volksschulalter kann hier ein wichtiger Grundstein gelegt werden, um auch späterer exzessiver Nutzung vorzubeugen“, erläutert Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.
Eltern sind gefordert, sich aktiv um die Medienerziehung zu kümmern. Dazu gehören eine Portion Basiswissen über digitale Medien, das Auswählen von altersgerechten Inhalten sowie das Vereinbaren und Einhalten von Regeln. Mütter und Väter sollten Kinder ebenso dazu anleiten, sich von digitalen Medien nicht nur „berieseln“ zu lassen, sondern diese produktiv und kreativ zu nutzen, etwa von der multimedial gestalteten Einladung zu einem Fest bis zum selbst gedrehten Geburtstagsvideo für die Oma. Und Volksschulen sind aufgerufen, begonnene Initiativen auszuweiten und die kompetente und kritische Nutzung von digitalen Medien zum Inhalt des Unterrichts zu machen.

Saferinternet
Saferinternet unterstützt Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrende bei der sicheren Nutzung des Internets und liefert hilfreiche Tipps und Hilfestellungen zu Themen wie Soziale Netzwerke, Datenschutz, Sexualität und Internet, Jugendschutz, Computerspiele, Online-Shopping, Virenschutz, Medienerziehung etc.
Die Initiative wird vom Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) in Kooperation mit dem Verband der Internet Service Providers Austria (ISPA) koordiniert und in Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand, NGOs und der Wirtschaft umgesetzt. Die Finanzierung erfolgt durch die Europäische Union, das Bundeskanzleramt, das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie A1, Huawei und Facebook.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 08.02.2018