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18. Juni 2019

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Videospiel beeinträchtigt Mädchen mehr als Burschen

Videospiel beeinträchtigt Mädchen mehr als Burschen© Bilderbox.com

Zu viel Videospiel hat auf die soziale Entwicklung von Mädchen mehr Einfluss als auf Buben, wo es gar keine direkte soziale Auswirkung geben soll. Zu diesen Erkenntnissen kommt eine umfangreiche Studie der Universität Norwegens, so ein Bericht von PressetextAustria. (NTNU).

Laut dem Spiele-Experten Christoph Deeg spielen Mädchen und Burschen grundsätzlich einmal gleichberechtigt. Unterschiedlich ist die Spielekultur, es gebe von Jungen bevorzugte Video Spiele (Gaming) und welche, die eher von Mädchen gespielt werden. Beim Spielen an sich hätten Jungen bereits eine entsprechend längere sozio-kulturelle Entwicklung hinter sich. Dies auch im Kontext, dass die Gesellschaft von Mädchen andere Verhaltensweisen erwarte.

Für die Studie hat die Naturwissenschaftliche und Technische Universität Norwegen (NTNU) 873 norwegische Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren über einen Zeitraum von sechs Jahren untersucht. Über diesen Zeitraum wurden die Kinder und ihre Eltern alle zwei Jahre zur durchschnittlichen Spielzeit befragt.

Die Ergebnisse im Detail
Parallel informierten die Lehrer der Kinder über deren soziale Kompetenz und Verhaltensformen wie Kooperation, Durchsetzungsfähigkeit und Selbstkontrolle. Ausgehend von der Einschätzung, dass Burschen mehr zum Spielen und zu mangelnder sozialer Kompetenz neigen, wurde dann bei der Auswertung auch auf das Geschlecht geachtet.

Die Ergebnisse belegen nun, dass die Spielzeit bei Jungen keinen Einfluss auf ihre soziale Entwicklung hat. Und Mädchen, die im Alter von zehn Jahren spielen, neigten zwei Jahre später zu weniger sozialer Kompetenz als Mädchen, die weniger spielen. Außerdem neigten Kinder, die im Alter zwischen acht und zehn Jahren soziale Probleme hatten, eher zum Video-Spielen im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren.

Ursachen für Spielverhalten als Umkehrschluss
Laut Lars Wichstrøm, Koautor der Studie, sind die Gründe für das Spielen wichtiger als die damit verbrachte Zeit. Es sei möglich, dass Videospiele keine sozialen Probleme auslösen, sondern dass mangelnde soziale Kompetenz bei Kindern zum Spielen führt. Gaming sei nämlich einfacher zugänglich und weniger kompliziert für solche Kinder.

Experte Christoph Deeg bestätigt das: "Kinder, die im persönlichen Umfeld wenig Feedback, Anerkennung oder das Gefühl bekommen, dass sie etwas bedeuten, neigen eher zu mehr Gaming. Es geht bei der sozialen Entwicklung von Kindern gar nicht um Spiele, stattdessen kann man von Spielen lernen, wie man Kindern richtig Feedback gibt."

Gemeinsam Spielen versus allein Buch lesen
Die Forscher achteten bei der Untersuchung aber auch auf andere Faktoren. Der sozioökonomische Hintergrund sei wichtig, weil bei Kindern aus wenig privilegierten Familien ein höheres Risiko für soziale Probleme bestehe. Die Forscher beachteten dabei auch den sogenannten Body-Mass-Index (BMI) - bei Mädchen mit höherem BMI bestehe ein Zusammenhang mit mehr Gaming und Kinder und Jugendliche mit hohem BMI neigen zu weniger sozialer Kompetenz.

Das Studien-Team befragte die Probanden dann auch noch zu ihrer Spielzeit mit anderen Kindern, da sich durch das gemeinsame Spielen mehr Möglichkeiten zur sozialen Interaktion ergeben als online oder alleine. "Wenn Kinder gemeinsam spielen, hat das einen positiven Einfluss auf ihre soziale Kompetenz. Der Unterschied zeigt sich beim Vergleich zwischen Spiele und Büchern: Buch lesen ist unsozial, man kapselt sich ab und kann höchstens später miteinander darüber reden. Bei Spielen ist Kooperation und interaktiver Austausch möglich", erläutert Christoph Deeg.

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PressetextAustria/red/mich, Economy Ausgabe Webartikel, 07.06.2019