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18. Juni 2019

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„Geld allein macht nicht glücklich“

„Geld allein macht nicht glücklich“© Piqs.de/ ansichtssache

Österreichische Arbeitnehmer sind grundsätzlich zufrieden und motiviert bei der Arbeit. Frauen mehr als Männer und Beamte mehr als Mitarbeiter in Privatwirtschaft. Kollegialität, Geld und flexible Arbeitszeit am wichtigsten, so eine neue Studie von EY.

(red/czaak) Neun von zehn Österreichern sind laut eigenen Angaben mit ihrem Job zufrieden, fast die Hälfte uneingeschränkt. Auch die Motivation ist bei 91 Prozent grundsätzlich vorhanden, als hochmotiviert bezeichnet sich hingegen nur ein Drittel. 80 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich grundsätzlich anerkannt und wertgeschätzt. Am höchsten ist die Zufriedenheit bei Mitarbeitern in Tirol (54 Prozent), im Burgenland (50) und in Oberösterreich (49). Am wenigsten zufrieden sind Mitarbeiter in Vorarlberg und Salzburg (je 42 Prozent).

Kollegiale Zusammenarbeit
Im Geschlechterverhältnis können Arbeitgeber primär auf zufriedene Frauen zählen. 49 Prozent sind uneingeschränkt zufrieden, der Anteil der Männer beträgt 43 Prozent. 35 Prozent der Frauen bezeichnen sich auch überdurchschnittlich oft hochmotiviert. Bei den Männern sind es 30 Prozent. 62 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer werden zudem durch ein gutes Verhältnis zu Kollegen motiviert, bei den männlichen Arbeitnehmern 57 Prozent.

Auch günstige Arbeitszeiten (Frauen 42 Prozent, Männer 37) und flexible Arbeitszeitmodelle (je 30 Prozent) sind für beide Geschlechter wichtige Motivationsfaktoren am Arbeitsplatz. Kaum punkten können Arbeitgeber hingegen mit Zusatzangeboten wie Dienstwagen oder Versicherungen – diese wirken nur für drei Prozent der Frauen und fünf Prozent der Männer motivierend. Das sind allesamt die Ergebnisse der aktuellen Jobstudie der internationalen Wirtschafts- und Beratungsinstitution Ernst & Young (EY), für die 1.001 ArbeitnehmerInnen in Österreich befragt wurden.

Entspannte Lage am Arbeitsmarkt
„Die Sichtweisen hängen sicherlich mit der guten wirtschaftlichen Lage und der entspannten Arbeitsmarktsituation zusammen. Derzeit gibt es für heimische Unternehmen ausreichend zu tun, und nur wenige Arbeitnehmer müssen sich Sorgen um ihren Job machen“, kommentiert Ingrid Rattinger, Managing Partner Talent bei EY Österreich. „Gleichzeitig tun Unternehmen immer mehr für ihre Mitarbeiterbindung, da Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt rar sind. In dieser Atmosphäre fühlen sich die MitarbeiterInnen offenbar zunehmend wohl und motiviert“, unterstreicht Rattinger.

Aus Sicht der Arbeitgeber können diese besonders mit flexiblen Arbeitsmodelle punkten, die bei 77 Prozent der befragten Arbeitnehmer ganz oben auf der Wunschliste stehen. Knapp jeder Zweite wünscht sich Home-Office-Möglichkeiten und Gesundheits- und Vorsorgemodelle für Mitarbeiter.

Öffentlicher Dienst versus freie Wirtschaft
Besonders hoch ist die Zufriedenheit bei älteren Arbeitnehmern (55 Prozent), ähnlich zufrieden sind nur Berufseinsteiger bis 20 Jahre (50 Prozent). Bei den 21- bis 35-Jährigen und 36- bis 50-Jährigen ist die Zufriedenheit mit 43 bzw. 41 Prozent deutlich geringer. 39 Prozent der Arbeitnehmer über 50 Jahre bezeichnen sich zudem als hochmotiviert, alle anderen Altersgruppen mit je 30 Prozent deutlich geringer.

Die Stimmung der Arbeitnehmer ist im öffentlichen Dienst besser als in der freien Wirtschaft. 35 Prozent sind hier hochmotiviert, in der (konjunkturabhängigen) freien Wirtschaft sind es 31 Prozent. Mehr tun sollten Arbeitgeber für die junge Generation. „Junge Menschen wollen flexible Arbeitszeiten und zu Hause arbeiten, um Arbeit und Familie besser miteinander verbinden zu können. Im Betrieb erwarten sie flache Hierarchien und eine insgesamt angenehme Arbeitsatmosphäre“, so Rattinger.

Das Thema Geld
Kein ausschlaggebender Faktor für Zufriedenheit und Motivation ist das Einkommen. Arbeitnehmer in der höchsten Einkommensklasse (60.000 Euro pro Jahr) sind am zufriedensten (58 Prozent) – allerdings folgen knapp dahinter Mitarbeiter aus der geringsten Einkommensklasse (20.000 Euro p.a.).

Am wenigsten zufrieden (37 Prozent) sind Angestellte mit Bruttojahresgehältern von 41.000 bis 60.000 Euro. Im Geschlechtervergleich legen Männer deutlich mehr Wert auf ein hohes Gehalt (38 Prozent), bei Frauen hingegen nur 28 Prozent. „Oft ist es gerade die zweite Führungsebene, die Transformationen umsetzen müssen, sich aber nicht genügend mitgenommen fühlen von der Geschäftsführung. Das kann eine Erklärung für die Unzufriedenheit sein“, erklärt Rattinger. „Geld alleine macht nicht glücklich.“

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 09.05.2019