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21. August 2018

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Einstieg in ein selbstbestimmtes Leben

Einstieg in ein selbstbestimmtes Leben© Bilderbox.com

Parallel zu weiterer Reduktion bei Arbeitslosenzahlen startet Niederösterreich mehrere gezielte Initiativen zu Wiedereingliederung benachteiligter Personengruppen in den Arbeitsmarkt.

Aktuell bedeuten 67.000 arbeitslose Niederösterreicher einen vergleichsweise niedrigen Stand, und der Rückgang von rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ist der größte seit zehn Jahren. Österreichs größtes Bundesland hat damit die Trendwende am Arbeitsmarkt geschafft und wie die Zahlen zeigen auch bei den älteren Arbeitnehmern. „Trotz dieser hervorragenden Entwicklung müssen wir unsere Hilfe gerade jenen anbieten, die es am Arbeitsmarkt einfach schwieriger haben“, so Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Besonders schwer haben es Menschen mit geringer Qualifizierung, ältere Arbeitnehmer sowie Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen.
Das Land Niederösterreich und das AMS NÖ unterstützen nun gezielt Menschen mit Beschäftigungsprojekten, die auf regionale Verhältnisse zugeschnitten sind und bestimmte Zielgruppen durch verschiedene Qualifizierungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten an den regulären Arbeitsmarkt heranführen sollen. Die NOe Landesregierung unterstützt nun fünf Projekte in einer Gesamthöhe von rund 1,3 Millionen Euro (mit AMS-Geld: 4,2 Millionen Euro) mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen. „Damit bekommen rund 80 Personen die Möglichkeit den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu schaffen“, so Karl Wilfing, NOe Landesrat und verantwortlich für den Arbeitsmarkt.

Fokus auf Frauen und benachteiligte Menschen
Mehrere der Projekte haben einen Fokus auf Frauen, die durch den Wiedereinstieg auf dem Arbeitsmarkt selbständig Versicherungszeiten erwerben und so ihre Pension absichern können. Im Bezirk Amstetten wird etwa das gemeinnützige Beschäftigungsprojekt UNIDA Services mit rund 225.000 Euro (mit AMS: 964.000 Euro) gefördert, um 18 Beschäftigungsplätze zu ermöglichen. Ziel ist die (Re-)Integration von benachteiligten Frauen durch Beschäftigung, Qualifizierung sowie weitere unterstützende Maßnahmen. UNIDA Services betreibt ein Café, einen Second Hand Shop, bietet aber auch Haushalts-, Reinigungs- und Bügelservice und führt einen eigenen Brautsalon.
Der Verein „LUNA Frauenbeschäftigungsprojekt Hollabrunn“ wiederum hat als Ziel die (Re-)Integration von langzeitarbeitslosen, schwer vermittelbaren und übertrittsgefährdeten Frauen in den Arbeitsmarkt. LUNA bietet bis zu 17 Personen Platz und wird aus Mitteln des Landes Niederösterreich mit rund 267.000 Euro (mit AMS: 898.000 Euro) unterstützt. Die Teilnehmerinnen werden in den Fachbereichen Garten, Schneiderei, Kulinarik, Bügelservice und Reinigung in privaten Haushalten durch Training on the job qualifiziert und dadurch auf den regulären Arbeitsmarkt vorbereitet.

Langzeitarbeitslose und arbeitsmarktpolitische Problemgruppen
Im Raum St. Pölten, Melk und Krems besteht seit vielen Jahren der Verein „Fair-wurzelt“ – Frauen – Arbeit – Initiative- Regional. Der Verein wurde mit dem Ziel gegründet, beschäftigungslosen Frauen durch Tätigkeiten in den Bereichen Gartenpflege, Kräuterproduktion und Verkauf die Wiedereingliederung auf dem regulären Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Die rund 20 Transitarbeitsplätze werden seitens des Landes Niederösterreich mit rund 317.000 Euro (mit AMS: 1,1 Millionen Euro) finanziell unterstützt.
Das Projekt LOK IN in Mistelbach hat ebenfalls hat die (Re)Integration von am Arbeitsmarkt besonders benachteiligten Personen (Langzeitarbeitslose und andere arbeitsmarktpolitische Problemgruppen) durch die Förderung der Beschäftigung bei gemeinnützigen Einrichtungen zum Ziel. Hier werden 19 Transitarbeitsplätze geschaffen, die Teilnehmer arbeiten in den Bereichen Waldarbeiten, Gartenarbeiten, Wollverarbeitung, Produktion von Anheizholz, u. ä. Niederösterreich unterstützt dieses Projekt mit rund 255.000 Euro (mit AMS: 944.000 Euro).

Neue Kompetenzen
Seit 2004 haben sozial benachteiligte Personen in Niederösterreich die Möglichkeiten in Sozialmärkten Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs günstiger zu bekommen. Gleichzeitig bieten die SOMA-Märkte auch Beschäftigungsmöglichkeiten für schwer vermittelbare Personen. Die „Service Mensch GmbH“ hat als Trägerorganisation in Schwechat und in Wiener Neustadt ebenfalls einen sozialen Supermarkt „SOMA“ für Bedürftige mit angeschlossenem Ausschank für Speisen und nichtalkoholischen Getränken eingerichtet.
Ziel ist es, langzeitbeschäftigungslose und arbeitsmarktferne Menschen wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern. Mit rund 244.000 Euro (mit AMS: 364.000 Euro) werden bis zu 7 Arbeitsplätze in diesen SOMA-Märkten vom Land Niederösterreich unterstützt. In Summe sollen diese Projekte wesentlich dazu beitragen Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu betreuen und zu unterstützen. „Sie erhalten damit die Möglichkeit wieder an das Arbeitsleben herangeführt zu werden, neue Kompetenzen zu entwickeln und den Einstieg in ein selbstbestimmtes Leben zu schaffen“ erläutert Karl Wilfing.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 16.02.2018