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04. Dezember 2020

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Zwischen Home-Office, Heimunterricht, Kinderbetreuung und Haushalt

Zwischen Home-Office, Heimunterricht, Kinderbetreuung und Haushalt© Pexels.com/cottonbro

Med-Uni Innsbruck erforscht psychische Auswirkungen rund um Corona-Pandemie. Im Fokus stehen ehemals Infizierte sowie gesunde und psychisch kranke Menschen sowie soziale Isolation.

(red/mich/cc) Zwischen Entspannung und Panik. Welche Folgen hat die Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit insbesondere in Tirol? An der Medizinischen Universität Innsbruck beschäftigen sich aktuell mehrere Forschungsprojekte mit diesem Thema und mit einem besseren Umgang der Folgewirkungen.

„Die ersten Erfahrungen geben nun Anlass zur Beachtung, nicht aber zu Panik. Final werden sich die psychischen Auswirkungen erst in den nächsten Monaten oder Jahren zeigen“, so die Innsbrucker Experten. Bereits bekannt ist, dass PatientInnen nach Aufenthalt auf der Intensivstation Angststörungen oder andere psychische Erkrankungen entwickeln.

Von Heimunterricht über Home-Office bis zur Corona-Erkrankung
In der Regel entsteht eine dauerhafte psychische Erkrankung, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. „Während die einen sich entspannt dem Home-Office widmen können, stoßen andere an ihre Grenzen, um zwischen Kinderbetreuung, Schulunterricht, Arbeitslosigkeit und Haushalt irgendwie zurecht zu kommen“, erklärt Barbara Sperner-Unterweger, Direktorin der Innsbrucker Uni-Klinik für Psychiatrie II. „Wir bemerken eine Zunahme von Anfragen, können derzeit aber die allgemeine Belastung noch nicht in Zahlen fassen.“

Strukturierter Tagesablauf mit Bewegung und Entspannungsübungen
Wichtig sind vorbeugende Faktoren und dazu zählen ein strukturierter Tagesablauf, Bewegung und Entspannungsübungen. Im Vordergrund stehen aktuell Prävention und rasche, niederschwellige Hilfe. Auf der Webseite „Psychosomatik-Innsbruck“ (Anm. siehe Link) werden fachgerechte Anregungen für einen besseren Umgang mit der Krise gegeben. In der aktuellen Version sind auch bereits Erfahrungen der ersten Nutzer eingebaut. Seit Start letzten März wurden die Videos Angaben zufolge über 25.000-mal angesehen und knapp 2.000 Fragebögen zur psychischen Gesundheit anonym ausgefüllt.

Spekulationen verunsichern die Menschen
Die ersten Beobachtungen in der Klinik würden keinen Anlass zu Panik geben: „Spekulationen verunsichern die Menschen nur weiter, wir brauchen verlässliche Daten und Fakten“, so Alex Hofer, Direktor der Uni-Klinik für Psychiatrie I. Hofer leitet ein Projekt zur Frage: „Wie bewältigen Menschen mit psychischen Erkrankungen Quarantäne und soziale Isolation während der Pandemie?“ Im Zentrum stehen Personen aus Nord-, Ost- und Südtirol, die 2019 in stationärer psychiatrischer Behandlung standen sowie die Allgemeinbevölkerung. Erste Ergebnisse des vom Land Tirol unterstützten Projekts kommen 2021.

Psychische Belastung und Burnout bei Ärzten
In einem weiteren Forschungsprojekt der Innsbrucker Universitätsklinik für Psychiatrie I werden in Kooperation mit der Ärztekammer österreichweit alle niedergelassenen Fachärzte und Allgemeinmediziner zu ihrer psychischen Belastung und einer eventuellen Burnoutsymptomatik befragt. Auch hier werden erste Ergebnisse 2021 erwartet und in einem Jahr soll dann eine Nachuntersuchung zur Beurteilung des Langzeitverlaufs stattfinden.

Gesundheit nach Covid-19 in Tirol
Speziell auf die psychischen Folgen in der Bevölkerung fokussiert ist das Projekt „Gesundheit nach Covid-19 in Tirol“. „Hier geht es um Personen ab 16 Jahren, die positiv getestet wurden“, erläutert Katharina Hüfner, Fachärztin an der Univ.-Klinik für Psychiatrie II. Hier werden neben internistischen und neurologischen besonders auch die psychischen Beeinträchtigungen nach einer Infektion abgefragt.

Angststörungen oder andere psychische Erkrankungen
„Je mehr Menschen mitmachen, desto genauer können die Folgen einer Corona-Infektion auf Psyche und Lebensqualität der Menschen erforscht werden“, bittet Hüfner die Tiroler Bevölkerung um weitere rege Teilnahme (Link zur Umfrage angefügt). Nicht nur die Pandemie, auch die Covid-19-Erkrankung selbst kann psychische Folgen haben. „Wir wissen, dass Patienten nach einem längeren Aufenthalt auf der Intensivstation Angststörungen oder andere psychische Erkrankungen entwickeln“, so Hüfner, die auch der Fragen nachgeht, inwieweit eine Corona-Infektion auch ein Stigma für die Betroffenen bedeutet.

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red/mich/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 20.11.2020