Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

17. Februar 2020

Search form

Search form

Neue Therapieansätze gegen Leberkrebs

Neue Therapieansätze gegen Leberkrebs© V.Sladky_MedUni_Ibk

Immunologen der Innsbrucker Uni-Klinik gelingen neue Einblicke in Zellteilungsprozesse mit Relevanz für Leberregeneration sowie neue Ansätze für Krebstherapien.

(red/czaak) Das Team des Instituts für Entwicklungsimmunologie am Innsbrucker Biozentrum identifizierte kürzlich einen neuen Aktivierungsmechanismus eines speziellen Tumorsuppressors (Anm. p53). Dieser fungiert in gesunden Zellen als eine Art Bremse, indem er die Zellen nach defekter Zellteilung oder nach DNA-Schädigung vor unkontrolliertem Wachstum schützt. Die Innsbrucker Forscher nahmen dabei sogenannte tetraploide Zellen (Anm. vierfacher Chromosomensatz) unter die Lupe und wiesen nach, dass dieser Komplex nach fehlerhafter Zellteilung p53 aktiviert und damit einen neuen Ansatzpunkt für innovative Krebstherapien bilden könnte. 

Polyploidie bremst Leberwachstum aus
Die Entstehung von Zellen mit vielfachem Chromosomensatz (Anm. Polyploidie) ist das Ergebnis einer unvollständigen Zellteilung und zugleich Merkmal vieler Tumorzellen. Polyploidie sind aber auch bei einer Mehrzahl gesunder Leberzellen zu beobachten. „Der zugrunde liegende Regulationsmechanismus ist besonders bei der Frühentwicklung und in Regenerationsphasen der Leber hochrelevant“, so die Forschungsergebnisse eines internationalen Teams rund um den Innsbrucker Entwicklungsimmunologen Andreas Villunger, die nun auch im renommierten Fachjournal Developmental Cell publiziert wurden.

Aktuell erforschen die Experten um Andreas Villunger weitere Funktionen und Details, die im Zusammenhang mit der frühen Entwicklung sowie der Regenerationsfähigkeit der Leber stehen. Die Forscher interessiert etwa, ob diesem speziellen PIDDosom auch in Regenerationsphasen der Leber regulierende Aufgaben zufallen. Dazu untersuchten sie unter anderem Gewebeproben von Patienten mit Lebermetastasen. Die Forschungsarbeit wurde durch den Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) und das European Research Council (ERC) unterstützt.

Villunger Lab
Andreas Villunger (52) leitet seit 2009 das Institut für Entwicklungsimmunologie am Biozentrum der Medizinischen Universität Innsbruck. Nach seiner Rückkehr aus Australien erhielt der studierte Mikrobiologe 2003 den wichtigen START Preis des Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF). Seit 2004 ist Villunger für Immunologie habilitiert, er gilt als international renommierter Experte beim Thema Zelltod im Immunsystem und dessen Bedeutung für die Krebsentstehung und Krebstherapie.

Seit 2018 wird sein Projekt „POLICE“ mit einem ERC Advanced Grant (Anm. begehrte EU-Forschungsförderung) gefördert. Das Ziel seiner Arbeit ist ein besseres Verständnis über die Verbindung von Zellteilung, Zelltod und Entzündung. Wesentlich ist auch die Erforschung des PIDDososms als relevantes Ziel für die Entwicklung neuer Krebstherapien und regenerativer Ansätze für die Medizin.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 10.02.2020