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03. Dezember 2022

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Neue Gelder für Forschung in Österreich

Neue Gelder für Forschung in Österreich© EnzoHoley_BMDW

Wirtschaftsministerium und Forschungsförderungsgesellschaft starten neues Förderprogramm über 50 Millionen Euro zum Thema Life Sciences. Arzneimittel, Medizinprodukte, Digitalisierung und Produktionsprozesse als Themenschwerpunkte.

(red/czaak) Die Life Science Branche in Österreich hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Wachstumsmotor für den heimischen Wirtschafts- und Forschungsstandort entwickelt. Mit einer Forschungsquote von 20,5 Prozent zählt die Branche im Vergleich zu anderen zu den innovationsfreudigsten Segmenten. Start-Ups und Klein- und Mittelunternehmen (KMU) im Bereich Biotechnologie haben oft sogar Forschungsquoten um 70 Prozent. Biotechnologische Entwicklungen sind allerdings überaus zeit- wie kostenintensiv und erfordern einen langen Atem. Ein Unternehmensbeispiel ist G.ST Antivirals, ein Start-Up in Wien, das zu neuen Therapieansätzen für Virusinfektionen forscht. 

Zwölf Jahre Entwicklungszeit bis zur klinischen Erprobung
„Neun Jahre haben wir den Mechanismus hinter unserer Therapie erforscht bis wir G.ST Antivirals gegründet haben. Jetzt starten wir nach weiteren drei Jahren Entwicklung mit der ersten klinischen Prüfung unseres Medikaments und haben damit einen großen Meilenstein erreicht“, beleuchtet Guido Gualdoni, Co-Gründer und Geschäftsführer von G.ST Antivirals, die zeitliche Entwicklung. Aktuell starten nun das Bundesministerium für Wirtschaft und Digitalisierung (BMDW) und die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) eine neue Programmlinie mit einem Budgetvolumen von 50 Millionen Euro.

„Österreich ist ein exzellenter Life Science Standort mit internationaler Forschung und einer ständig wachsenden Unternehmenslandschaft. Der Life Science Sektor trägt mit sieben Prozent des BIP auch maßgeblich zur nationalen Bruttowertschöpfung bei und ist für über 60.000 hochqualifizierte Arbeitsplätze verantwortlich“, sagt Margarete Schramböck, Ministerin für Wirtschaft und Digitalisierung. „Um die Versorgungssicherheit Österreichs und Europas mit den besten Medikamenten zu gewährleisten, braucht es jetzt weitere Investitionen“, so Schramböck.

Industrielle Forschung und klinische Studien
Das Programm „Austrian Life Sciences“ wird von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) umgesetzt und konzentriert sich auf passgenaue betriebliche Formate für den gesamten Entwicklungszyklus. Die neue Programmlinie soll zudem etwaig bestehende Förderlücken schliessen und das Portfolio im Bereich Industrielle Forschung und klinische Studien erweitern. Die Themenschwerpunkte fokussieren auf die Bereiche Arzneimittel, Medizinprodukte, Digitalisierung und Produktionsprozesse. Das Paket enthält auch eine Fördermöglichkeit für „klinische Studien“ von Unternehmen.
 
„Die Herausforderungen der Life Science-Branche sind enorm. Kaum ein Sektor hat längere Entwicklungszeiten, höhere Entwicklungsrisiken und derart strenge regulatorische Vorgaben. Es ist daher umso wichtiger diese Unternehmen mit einem eigenen Life Science-Schwerpunkt bei ihren F&E-Vorhaben zu unterstützen", unterstreicht Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der FFG. Die erste Ausschreibung läuft bereits, siehe Webseite der FFG. Bestätigt werden die Anstrengungen von Bund und Ländern etwa auch durch die aktuellen Erweiterungen der Produktionsanlagen von Boehringer Ingelheim (economy berichtete). Der Pharmariese investiert am Standort Österreich knapp 2 Mrd. Euro.

 

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 19.04.2022