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14. November 2018

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Kindesmissbrauch hat innerste Auswirkungen und Langzeitfolgen

Kindesmissbrauch hat innerste Auswirkungen und Langzeitfolgen© piqs.de/vinoth chander

Forscher der Universitäten Harvard und British Columbia weisen molekulare Narben in den Zellen von Erwachsenen nach, die durch Traumata nach Kindesmissbruch entstanden sind und auch genetisch relevant sind.

Laut einer Studie von Forschern der University of British Columbia und der Harvard University lassen sich durch Kindesmissbrauch entstandene Traumata in den Zellen der Opfer nachverfolgen. Basis der Untersuchung waren chemische Markierungen der DNA von 34 erwachsenen Männern.
Bedingt durch das kleine Sample werden weitere Studien folgen und dabei soll auch untersucht werden, ob diese chemische Abänderung der Erbsubstanz (Anm. Methylierung) auch Auswirkungen auf den physischen Gesundheitszustand der Betroffenen hat, so ein Bericht von Pressetext Austria.

Von der Kindheit über den Erwachsenen bis zu seinen Nachkommen
Bei Genen fungiert die Methylierung als eine Art Dimmschalter, der das Ausmaß der Aktivierung eines Gens beeinflusst. In der modernen Epigenetik konzentrieren sich Forscher zunehmend auf diese Aktivierung und Deaktivierung von Genen. Annahme ist dabei, dass sie von externen Faktoren wie Umwelt oder Erfahrungen einer Person beeinflusst wird.
Bei der aktuellen Studie konzentrierten sich die Forscher auf die Methylierung bei Spermazellen und gingen davon aus, dass Belastungen in der Kindheit nicht nur die Gesundheit der direkt Betroffenen beeinflussen, sondern auch ihre Nachkommen. Diese Entwicklung wurde bereits bei Experimenten mit Tieren nachgewiesen.

Eindeutige Unterschiede
Im nächsten Schritt hat das Team nun auch eine Gruppe von Männern identifiziert, die bereits Teil einer viel größeren Langzeitstudie der T.H. Chan School of Public Health der Harvard University waren und dabei auch um eine Spermaprobe gebeten wurden. Parallel wurde ein Jahre zuvor beantworteter Fragebogen ausgewertet, wo diese Männer angegeben hatten als Kinder missbraucht worden zu sein.
Die Forscher konnten nun eindeutige Unterschiede bei der Methylierung von Missbrauchsopfern und nicht Betroffener nachweisen und dabei fielen große Unterschiede beim "Dimmen" dieser Abschnitte auf. Bei acht Abschnitten machte der Unterschied mehr als zehn Prozent aus, bei einer Region sogar 29 Prozent. Die Forschungsergebnisse wurden in "Translational Psychiatry" veröffentlicht.

Einsatz bei Gerichtsverfahren
Dieser genetische Unterschied bei missbrauchten Personen könnte künftig auch vor Gericht für die Beurteilung eines behaupteten Missbrauchs eingesetzt werden. „Es wird damit begonnen, die Methylierung als möglicherweise nützliches Tool bei strafrechtlichen Ermittlungen anzusehen. Fahnder könnten etwa Hinweise auf das ungefähre Alter einer Person erhalten, die DNA-Spuren hinterlassen hat“, so Michael Kobor, Seniorautor der Studie.

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PressetextAustria/red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 08.11.2018