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15. Dezember 2017

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Das Quecksilber und das Universum

Das Quecksilber und das Universum© TU Wien

Zwei Millionen Euro schwerer ERC-Starting-Grant für Simon Stellmer von TU Wien für weitere Erforschung der Zusammenhänge von Quecksilber-Atomen und fundamentalen Symmetrien der Natur.

Die Frage von Materie im Universum ist bis heute nicht vollständig beantwortet. Das Verständnis vom Urknall geht davon aus, dass damals genauso viel Antimaterie wie Materie entstanden ist. Doch Materie und Antimaterie löschen einander aus. In einem Universum, in dem ein perfektes Gleichgewicht zwischen Teilchen und Antiteilchen herrscht, hätten sich Materie und Antimaterie bereits vor langer Zeit gegenseitig vernichtet. Unsere Existenz ist der Beweis dafür, dass dieses Gleichgewicht der physikalisch genannten fundamentalen Symmetrien verletzt ist.
Simon Stellmer vom Atominstitut der TU Wien möchte nun mit einem ausgeklügelten Präzisionsexperiment der Verletzung dieser Symmetrie auf die Spur kommen. Er verwendet dabei Quecksilber-Atome und eine Reihe von Technologien aus der Quantenphysik. Ermöglicht wird seine Forschung durch einen European Research Council (ERC) Starting Grant, eine der höchstdotierten und prestigeträchtigsten Forschungsförderungen in Europa.

Symmetrien und Elementarteilchen
Ein sehr effizienter Mechanismus, der zu einem Ungleichgewicht in der Zahl der Teilchen und Antiteilchen führen kann, ist die sogenannte Verletzung der CP-Symmetrie. Dabei bedeutet CP Symmetrie, dass sich die Naturgesetze nicht ändern, wenn man den Raum spiegelt und gleichzeitig positive und negative Ladungen vertauscht. Diese Symmetrie gilt in unserem Universum jedoch nicht exakt: Sie ist ganz leicht verletzt.
Immer wieder hat man versucht, das zu messen – bei Elektronen, Neutronen und auch bei Atomen, doch bisher ist es nicht gelungen, eine Verletzung der Symmetrie zu erkennen, die Teilchen sehen auch bei sehr genauem Hinsehen exakt rund aus. „Die Messgenauigkeit genügt einfach noch nicht“, sagt Simon Stellmer. „Aber wenn wir noch ein bisschen präziser messen als bisher, sollte es bald zumindest möglich sein, all jene Theorien zu widerlegen, die ein besonders starkes Ausmaß der CP-Verletzung vorhersagen, zum Beispiel bestimmte Supersymmetrie-Theorien.“

Ultrakalte Quecksilber-Atome
Messen möchte Simon Stellmer das nun mit Quecksilber-Atomen: „Wir brauchen Atome, die schwer sind, aber nicht radioaktiv, und die man mit Lasern kühlen kann – dafür ist Quecksilber die beste Lösung.“ Versuche, das elektrische Dipolmoment von Quecksilber-Atomen zu vermessen, gab es bereits, doch Stellmer will diese Experimente nun grundlegend weiterentwickeln: „Wir bringen die Quecksilber-Atome ins Quantenlabor und kühlen sie bis knapp über den absoluten Nullpunkt ab, so haben wir die bestmögliche Kontrolle und wollen eine deutlich bessere Genauigkeit erzielen als es mit bisher verfügbaren Methoden möglich war.“
Die zahlreichen technischen Tricks, die dafür nötig sind, kennt Simon Stellmer. Als er an der Uni Innsbruck an seiner Dissertation arbeitete, gelang es ihm, das erste Bose-Einstein-Kondensat aus ultrakaltem Strontium herzustellen. Studiert hatte Stellmer an seiner Geburtsstadt Hamburg, nach seiner Dissertation in Innsbruck wechselte er 2013 ans Atominstitut der TU Wien. Nun wird er mit dem 2 Mio. Euro dotierten ERC-Grant der Europäischen Union seine eigene Forschungsgruppe aufbauen und in den nächsten fünf Jahren versuchen, den geheimnisvollen Symmetrien des Universums auf die Spur zu kommen.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 04.09.2017