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20. Juli 2018

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Das Phantom der Gründungsfinanzierung

Das Phantom der Gründungsfinanzierung©Bilderbox.com

Wiener Inkubator INiTS und Wirtschaftsagentur Wien entwickeln „Phantom Shares“ als neue Finanzierungsform für StartUps mit weniger Risiko für Investoren wie Gründer. Erste Anwendungen bei sechs Wiener Firmen erfolgreich umgesetzt.

Beim neuen INiTS-Modell werden im Gegensatz zu herkömmlichen Modellen sogenannte „Phantom Shares“ als eine Art virtuelle Beteiligung am Unternehmen vergeben. Anders als bei herkömmlichen Varianten erwirbt INiTS dabei keine Stimmrechte, sondern ausschließlich Substanzgenussrechte. Der Gründer behält die volle Kontrolle über sein Unternehmen.
Die Beteiligung ist mit maximal 10 Prozent, bei einer Investmentsumme von bis zu 100.000 Euro, gedeckelt. Bei Folgefinanzierungen werden die virtuellen Anteile vom StartUp wieder zurückgekauft und die Beteiligung von INiTS kann damit kontinuierlich sinken. Alle daraus erzielten Rückflüsse werden wieder in StartUps investiert und somit auch ein entsprechendes Ökosystem gefördert.

Das klassische Marktversagen
„Unser innovatives Beteiligungsmodell wurde gemeinsam mit der Wirtschaftsagentur Wien als Finanzierungsinstrument für frühphasige, forschungs-und technologieintensive StartUps entwickelt“, so Irene Fialka, CEO von INiTS.
„Diese StartUps sind naturgemäß hohen Risiken ausgesetzt und daher scheuen sich Investoren oftmals vor Beteiligungen in Frühphasen. Gleichzeitig fehlt den StartUps aber dieses Kapital zur Entwicklung von Prototypen, die wiederum den Investor überzeugen könnten. Ein klassisches Marktversagen also, das mit dem INiTS-Modell ausgeglichen wird“, erläutert die INiTS-Chefin.

250.000 Euro für sechs StartUps
Eine der ersten Firmen, die das Inkubationsprogramm erfolgreich durchlaufen hat, ist PrintStones aus Wien-Favoriten. Das TU Wien Spin-off von Gründer Herwig Hengl hat sich auf den 3D-Druck von Beton direkt auf der Baustelle spezialisiert und erhielt von INiTS einen großen Anteil des Gründungskapitals (engl. Seed-Financing).
„Gerade Hightech-Startups müssen in der Anfangsphase enorm viel in Forschung und Entwicklung investieren. Dafür benötigen wir motivierte, gut ausgebildete Mitarbeiter, etwa aus den Bereichen Robotik, Artificial Intelligence oder Materialwissenschaften“, erklärt Herwig Hengl. „Diese personellen Ressourcen müssen finanziert werden und normal wäre nun, sich fremde Kapitalgeber, samt etwaig damit verbundener Risiken, ins Unternehmen zu holen. Dank des neuen INiTS-Programms komme ich nun an frisches Kapital, ohne mein Mitspracherecht zu schwächen“, unterstreicht Hengl.
PrintStones ist eines von sechs StartUps, die von diesem Beteiligungsmodell profitieren. Die weiteren sind die Ultraschallfalle „Soniccatch“, das Drohnentaxi „Volare“, das Listentool „Naboto“, das Biotechunternehmen „Vacthera“ und das medizinische Softwareunternehmen „Toxphacts“. In Summe wurden von INiTS an diesen Unternehmen Anteile in Höhe von 250.000 Euro erworben.

Weltweit führender universitärer Inkubator aus Wien
INiTS ist ein 2002 gestartetes universitäres Gründungsservice, das auf Basis der A+B Programmlinie des Bundes als Unternehmen von der Universität Wien, der Technischen Universität Wien und der Wirtschaftsagentur Wien betrieben wird. Ziel ist, den Erfolg von StartUps im Raum Wien zu erhöhen. Strategie ist ein „Collaborative Business Modelling“-Ansatz mit maßgeschneiderten Beratungsleistungen, Startkapital und einem dichten Partnernetzwerk.
Erst kürzlich wurde INiTS von der schwedischen Forschungsinitiative UBI Global als weltweit sechstbester universitärer Inkubator seiner Kategorie ausgezeichnet. In der D-A-CH Region belegte INiTS den ersten Platz.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 14.06.2018