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20. August 2018

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Die Digitalisierung von fünf Jahrhunderten

Die Digitalisierung von fünf Jahrhunderten©OeAW_Hondius_Weltkarte_1597

Politische Weltbilder und utopische Visionen. Akademie der Wissenschaften stellt historische Landkartenschätze online.

Auf der neuen Onlineplattform „Sammlung Woldan“ sind seit Kurzem knapp 400 wertvolle historische Landkarten aus den Originalbeständen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften digitalisiert und frei im Web einzusehen. Darunter befinden sich seltene Unikate, wie die Wieder-Woldan-Karte, die kurz vor der Entdeckung Amerikas im 15. Jahrhundert entstanden ist.
Vor GPS und Google Maps navigierten sich die Menschen mit Kompass und Landkarten durch die Welt. Frühe Karten waren jedoch weit mehr als ein praktisches Orientierungsmittel. Sie vermittelten politische Weltbilder wie auch utopische Visionen und spiegelten über die Jahrhunderte hinweg den Wissensstand ihrer Zeit.

Alte Kartografie trifft moderne Technologie 
Erich Woldan war von solchen historischen Darstellungen der Erde beeindruckt. Der Wiener Jurist und Privatgelehrte (1901-1989) war ein leidenschaftlicher Sammler von Globen, Karten, Atlanten und anderen geographischen Werken. Nach seinem Tod vermachte der langjährige Leiter der Bibliothek der Geographischen Gesellschaft in Wien seine europaweit einzigartige Sammlung von rund 20.000 geographiehistorischen Werken der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (OeAW). 
Nach Abschluss eines fast dreijährigen Digitalisierungsprojekts an der ÖAW sind nun über 380 Kartenblätter aus dem 15. bis 20. Jahrhundert aus Woldans Sammlung wissenschaftlich aufbereitet und digital für jedermann frei zugänglich. „Mit dieser virtuellen Kartensammlung teilen wir unsere wertvollen Kartenschätze nun mit der ganzen Welt“, sagt Sibylle Wentker, Leiterin von Bibliothek, Archiv und Sammlungen der ÖAW.

Wiener Bezirke noch ohne Häuser
Das Besondere an diesem Sammlungsportal seien die hochauflösenden Scans, die punktgenau den geographischen Koordinaten zugewiesen (Anm. georeferenziert) wurden. Das mache sie sowohl mit modernen Karten, etwa in Google Earth, als auch mit historischen Karten aus anderen Sammlungen vergleichbar, so die Akademie in einer Aussendung.
Als Beispiel wir der „Vogelschauplan Wiens“ aus der Zeit Maria Theresias angeführt: in dem wandgroßen Wiener Stadtplan aus dem Jahr 1778 kann man dank hochauflösender Scans detailgenau in die Straßen Wiens hineinzoomen und eine moderne Straßenansicht von Google Earth eins-zu-eins darüberlegen. Der unmittelbare Vergleich zwischen damals und heute zeigt dann etwa, welche Wiener Bezirke im 18. Jahrhundert noch Weideland waren oder was sich damals auf dem Grundstück des eigenen Wohnhauses befand.

Online im Weltwissen stöbern
Ein direkter Straßenvergleich ist im Fall der mittelalterlichen Wieder-Woldan Weltkarte zwar nicht möglich. Aber die weltweit einzigartige Karte ist aus kosmographischer Sicht besonders wertvoll. Die Welt anno 1485, sieben Jahre vor der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, war nur halb so groß. Der Indische Ozean ist ein Binnenmehr. Jerusalem befindet sich im Zentrum. Und am östlichen Rand der Karte ist das Paradies eingezeichnet, aus dem die vier Paradiesströme Nil, Euphrat, Tigris und Ganges fließen.
Diese und eine Vielzahl von weiteren historischen Raritäten können ab sofort im virtuellen Kartenportal „Sammlung Woldan“ eingesehen und kostenfrei heruntergeladen werden. Neben hochauflösenden Bildern sind auch Hintergrundinformationen zu den Objekten abrufbar.
Die virtuelle Sammlung wird laufend um weitere Werke erweitert. Nutzer haben zudem die Möglichkeit, aktiv ihren Beitrag zum aktuellen Wissensstand zu leisten, indem sie Änderungen oder Ergänzungen zu den Karten übermitteln können. „Unser Ziel ist, dieses digital frei zugängliche Kartenportal der ÖAW beständig zu erweitern, damit neues Wissen entstehen und weitergegeben werden kann“, betont Projektleiter Gerhard Holzer.

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red, Economy Ausgabe Webartikel, 08.06.2018