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23. Juni 2018

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„Das Phänomen der Generation Nesthäkchen und Prinzessinnen.“

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(Wien; Video/Text) Neue Entrepreneurship-Initiative mit Schwerpunkten Bildung, Gesellschaft und Wirtschaft fördert Engagement und Eigenverantwortung von Jugendlichen.

Die Basis für ein lebendiges Miteinander sind selbstständiges Denken und verantwortungsvolles Handeln. Die Wurzeln dafür werden in der Kindheit und Jugendzeit gelegt. Es sind schöpferische und innovative Persönlichkeiten, die Gesellschaft und Wirtschaft beleben. Junge Menschen sollen sich aktiv in ihrem sozialen Umfeld einbringen und bei aktuellen wie kommenden gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen proaktiv mitarbeiten, so die Zielsetzung mehrerer Entrepreneurship-Initiativen. Die Initiativen werden von zahlreichen Bildungsinstitutionen und privaten Partnern getragen, weiterer inhaltlicher Schwerpunkt sind die Themen Schule und Lernen der Zukunft.

Spielregeln hinterfragen und Neues auf die Beine bringen

„Kinder und Jugendliche sollen sich nicht an eine Welt anpassen, sondern diese bestmöglich verändern. Das ist auch die Grundlage für unternehmerisches Handeln, und der Grund, warum wir diese Kompetenz in Wien und Österreich auch in die Schulen bringen,“ so Jürgen Czernohorszky, Präsident des Wiener Stadtschulrates. „Es braucht Menschen die Spielregeln hinterfragen und Neues auf die Beine bringen,“ betont Czernohorszky im Rahmen der Vorstellung der Initiativen im Wiener Haus der Industrie.
Für Philip List vom kürzlich eröffneten Financial Life Park (FLIP) der Ersten-Sparkassengruppe ist entsprechend auch das Thema Entrepreneurship von hoher Relevanz: „Starte Dein Projekt als Bestandteil der Entrepreneurship-Initiative ist im FLIP entstanden, wir haben damit bereits über 5.000 Jugendliche erreicht.“ Auch der FLIP selbst wird dabei überaus gut angenommen: „Wir sind bereits jetzt für das gesamte Schuljahr nahezu ausgebucht,“ so List.
Seitens des Bildungsministeriums koordiniert Katharina Kiss die Entrepreneur-Initiative, das Bildungsressort ist auch Verbindungsglied zur EU: „Youth Start beispielsweise ist ein EU-Projekt wo Österreich die methodische Führung gewonnen hat, und bei einer derart vielfältigen Thematik ist das sicher auch eine Bestätigung wie gut Österreich hier abgestimmt ist.“

Das mehrheitlich besonders behütete Umfeld Österreichischer Kinder
„Aus meiner Sicht gibt es zumindest mehrere wichtige Eckpfeiler. Einmal, dass viele Kinder nicht das Umfeld haben um eigene Ideen zu entwickeln,“ erläutert Johannes Lindner, Initiator des Education-Entrepreneur-Ship-Impulszentrums (EESI) des Bildungsministeriums. „Dazu kommt das in Österreich besonders relevante Nesthäkchen und Prinzessinnen-Generationen-Phänomen wo Kinder in einem besonders behüteten Umfeld aufwachsen und es entsprechend nötig ist, den Kindern früh auch Selbstwirksamkeit zu bieten. Passiert das nicht, dann können Jugendliche nur eines perfekt: konsumieren,“ so Lindner weiter.
Als weitere Faktoren sieht Lindner „die Entwicklung eigener Ideen“ an und das „altersspezifisch angepasst etwa für Volksschüler oder die Oberstufe“ sowie „im nächsten Schritt auch die Umsetzung selbst (Core Entrepreneuship).“ Wesentlich sind auch „Ermutigung und Inspiration als Querschnittsmaterie wo viele Unterrichtsfächer involviert sind.“ Besondere Relevanz hat für ihn das Engagement für die Zivilgesellschaft: „Wir wollen keine Ellbogenmentalität sondern Jugendliche zu Ideen für die Gesellschaft ermutigen,“ so Lindner, der auch Initiator der internationalen Teaching Entrepreneurship (IFTE) sowie Fachbereichsleiter der Kirchlich Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Krems ist.

Kinderkleider, Praktikumsplätze und Schuhe
Parallel zu zahlreichen Vorträgen und internationalen Key-Notes, erläuterten Schüler und Jugendliche ihre Erfahrungen aus bis dato rund 150 „Starte dein Projekt“ Workshops und in einem eigenen Raum pitchten Schüler-Start-Ups mit bereits gegründeten Projekten. Betreut von der Schüler-Start-Up-Expertin und BHAK-Professorin Christa Kahr zeigte etwa das Schüler-Team Emina Avdic, Milena Stevanovic, Nemanja Kosic und Eldin Milkunic ihr Projekt „Octavia“, ein Unternehmen für Kinderkleider, die aus nicht mehr benötigten Textilien hergestellt werden.
Ebenso von der BHAK-Wien 10 präsentierten Bianca Kartschti, Monika Gutdeutsch, Tanja Albinger und Saskia Horwath „Students-Job-Service“, eine Plattform zur Vermittlung von Praktikumsplätzen. Dass auch schulübergreifende Projekte möglich sind, zeigten Martin Mayer vom BRG Fichtnergasse und Yannis Olschewski von der Schumpeter HAK mit ihrer Firma „cosh“, ein Produktions- und Handelsunternehmen für ganz individuelle Schuhe.

Internationale Konkurrenzfähigkeit Österreichischer Schulen
Christa Kahr lobte „das große Engagement der Jugendlichen“ und verwies dabei „auf Teilnahme und Konkurrenzfähigkeit österreichischer Schüler auch bei internationalen Wettbewerben“ und, dass „mehrere meiner Schüler bereits erfolgreich Unternehmen gegründet haben und das auch weiterhin ausführen.“
Für Stefan Krasa, Entrepreneurship-Trainer, macht der Schultyp keinen Unterschied, die Angebotspalette „betrifft zwar primär Oberstufe und HAK aber mittlerweile interessieren sich auch Volksschul-Lehrer für die Thematik und jüngst gab es auch die ersten Kurse für berufsbildende Schulen.“ Wesentliche Inhalte bei den Kursen sind für Krasa „ein Nutzenversprechen, die Architektur der Umsetzung, ein Ertragsmodell und die soziale und ökologische Sensibilität,“ so der Entrepreneurship-Experte.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 06.12.2016